Womo

Barßel und immer wieder Barßel 04.07 – 13.07.2017

Am nächsten Morgen wachte ich, wie üblich gegen 4 Uhr 15 auf. Da ich am Fenster schlafe, musste ich, um aus dem Bett zu kommen eigentlich über Bernd wegturnen. Mittlerweile waren wir aber ein eingespieltes Team. Bernd brauchte morgens nur ein paar leichte Schläge meinerseits auf seine Beine, zog diese dann automatisch bis zum Kinn und ich konnte dann ganz bequem herauskrabbeln.

Gewichtskontrolle

Erster Gang, wie immer, auf die Waage. Danach auf die Toilette, danach wieder auf die Waage. Nachtzeug ausziehen, wieder auf die Waage. Je nachdem was diese so anzeigt, hatte ich gute Laune, oder schlechte, gab es Frühstück oder nicht. Heute würde es Frühstück geben und der Tag war mein Freund. Ich zog mir schnell etwas über und verließ  das Wohnmobil. Die Sonne ging gerade auf. Es war atemberaubend. Schnell holte ich das Handy, um es festzuhalten und später Bernd zu zeigen. Da er ja immer viel länger schlief, hatte er höchstwahrscheinlich noch nie einen gesehen. Das Wetter würde heute herrlich werden und ich machte einen kleinen Spaziergang, bis es hell genug war um weiter in meinem spannenden Buch zu lesen. Um 8 Uhr 15 machte ich Frühstück und schmiss Bernd aus dem Bett. Er hatte super geschlafen, war bester Laune und ganz angetan von meinen Fotos.

Neuer Stellplatz

Plötzlich sah ich, dass das große Wohnmobil, welches in der erster Reihe stand wegfuhr.“ Los Bernd, lass uns umparken. Dort passen wir hin und dort haben wir auch Fernsehempfang. Außerdem direkt am Wasser. Beeil dich, sonst ist der gleich weg“, sagte ich aufgeregt zu meinem Göttergatten. Bernd war unentschlossen, konnte meine Begeisterung nicht so ganz verstehen, ging etwas unsicher zwischen den frei gewordenen Stellplatz und unseren hin und her. Während ich immer nervöser wurde, unterhielt er sich in aller Seelenruhe, mit einem anderen Wohnmobillisten, der schon seit 20 Jahren nach Barßel kam und jeden, aber auch wirklich jeden Stellplatz kannte. Mein auserkorener, sollte ja ganz nett sein, aber wenn es regnete würden wir in einer großen Matschpfütze stehen, meinte er. Das verunsicherte Bernd natürlich noch mehr und er kam zu keinem Ergebnis, war eher abgeneigt. Deutlich war ihm wahrscheinlich noch Ostern in Erinnerung, wo er sich festgefahren hatte und mit einem Radlader aus der Matsche gezogen werden musste. Egal, ich hatte mich entschieden. Es sah auch nicht nach Regen aus und wenn schon. Also klemmte ich unsere beiden Campingstühle unter die Arme und schlurte sie zu dem freien Platz, um ihn somit zu reservieren. Manchmal muss man Entscheidungen allein treffen. Bernd entschied dann ganz allein, wie rum und auf welcher Seite, alle Eventualitätenum einplanend, unser Womo stehen sollte. Das dauerte dann noch einmal gut 10 Minuten und die Sache war vollbracht. Wir standen nun herrlich und hatten sogar Fernsehempfang. An der Aussicht direkt auf den Hafen konnten wir uns gar nicht satt sehen und ehrlich gesagt, taten wir bis zum Nachmittag nichts anderes.

Die Amigo

Dann kamen meine Tante Helga und mein Onkel Rudi. Die beiden hatten ihr Boot namens Amigo in Barßel liegen und luden uns zum Tee dorthin ein. Mann war das ein tolles Boot!!! Einfach riesig und wie wir fanden, das Schönste im ganzen Hafen war. Der Vorteil eines Bootes zum Wohnmobil ist ja, dass es viel breiter ist und zudem noch zweigeschossig . Der Nachteil war, es hatte keine Räder und konnte nur auf dem Wasser bewegt werden. Meine sehr jung aussehende Tante führte uns durch das Boot, zeigte uns die sehr gemütlichen Kajüten und auch sonst alles. In einem Boot müssen sämtliche Sachen noch viel besser verstaut werden als in einem Wohnmobil, da es durch Wellengänge nicht nur hin und her gerüttelt wird, sondern ja auch hoch und runter. Rudi war der geborene Handwerker und hatte allerlei Sachen selbst gebaut. Am beeindruckendsten fand ich seine Charlyluke. Diese ist ein Fenster, welches man öffnen kann. Es führte direkt vom Bauch des Schiffes, wo die Küche war nach oben, wo Rudi das Boot steuerte und diente als Durchreiche. Helga reichte ihm meistens Charly durch.So nennen wir in unserer Region Cola mit Weinbrand. Neben Cola Rum war dieses  Rudis und zufällig auch unser Lieblingsgetränk. Aus diesem Grund wurde die Luke kurzerhand Charlyluke genannt. Welch eine sinnvolle Konstruktion und Helga wollte es sogleich einmal demonstrieren. Aus Vernunftsgründen blieben wir aber ersteinmal bei Tee und Kuchen im riesigen Salon. Die Sache mit dem Charly vertagten wir auf abends, dann aber in unserem Wohnmobil. Wir wollten uns ja auch nicht lumpen lassen. Während uns die beiden allerhand Spannendes über das Boot und ihre Erlebnisse berichteten, verging die Zeit wie im Fluge und nach 2 Stunden verabschiedeten wir uns erst einmal. Rudi wollte noch einen Ölwechsel machen und wir mussten unbedingt noch Cola kaufen. Weinbrand hatten wir natürlich da;-) Wir fuhren mit unseren Rädern sogleich zu Lidl und deckten uns für die nächsten 3 Tage ein. Um 21 Uhr kamen die beiden dann und es wurde ein feucht fröhlicher Abend. Rudi hatte unglaublich viel Ahnung von Booten und konnte sehr spannend berichten. Er hatte einige Boote, die in Barßel lagen, hiehergeschippert  so das man ihn eigentlich auch Capitain Barßel nennen könnte. Als die beiden von unserem Kajak hörten, welches wir morgen aufpumpen und ausprobieren wollten, boten sie uns spontan an, es im Hafen einzulassen und auch dort bei Nichtbenutzung liegen zu lassen. Das war natürlich weltklasse. So mußten wir das Boot nicht ewig hin und her schleppen. Sicher lag es dort auch, denn der Hafenzugang war mit einem Tor mit Zahlenkombination gesichert, welche sie uns bereitwillig verrieten. Man was hatten wir mal wieder für ein Glück!!!!

Unser Kajak

Am nächsten Tag wollten wir nun endlich unser Kajak einweihen. Bernd wuchtete es aus der Garage und machtees innerhalb von 30 Minuten startklar. Stolz wie Oscar trugen wir es die paar Meter bis zum Wasser, banden es dort fest und während Bernd es noch zusätzlich fest hielt, stieg ich vorsichtig ein. Dann bemerkte Bernd, dass wir die Fenne noch nicht unter dem Boot hatten. Das ist so ein dreieckiges Plastikding, dessen Sinn mir bis jetzt noch nicht klar ist. Egal, es war dabei, also musste es an seinen Platz. Dazu war es notwendig, dass ich wieder ausstig. Nun gut. Erst auf die Knie, dann vorsichtig aussteigen. Klappte auch!! Finne unter dem Boot befestigt. Zweiter Versuch. Geglückt. Nun Bernd. Ich hielt das Gleichgewicht und krampfhaft den Steg fest. Das Boot kam gefährlich ins Schwanken, aber kippte nicht um. Jubel. Wir ruderten ein paar Meter um den Steg herum. Dort stand ganz allein, einsam und verlassen unsere Colaflasche. Bernd fluchte etwas und fragte ob wir sie dort stehen lassen wollten. Wollten wir natürlich nicht. Man hört ja immer wieder, dass Leute im Boot verdursten und aus lauter Verzweiflung Salzwasser tranken um dann zu sterben. Ne ne ne, ohne mich. Es war ein heißer Tag und es gab sogar Ebbe und Flut. Das hatte irgendetwas mit der Nordsee zu tun und die war salzig. Helga meinte zwar, hier wäre das Wasser nicht mehr salzig, aber ob sie es wirklich probiert hatte??? Ich war skeptisch. Wir drehten also um und Bernd holte, das vielleicht lebensrettende Getränk. Dann endlich machten wir uns auf den Weg.Was soll ich sagen, es klappte auf Anhieb. Im Gleichklang ruderten wir die Soeste flussabwärts, waren total begeistert von der Natur, genossen die Ruhe, die nur durch die Paddelgeräusche

unterbrochen wurde und waren uns einig Natutalente zu sein. Es war herrlich und unser erster Ausflug dauerte 2,5 Stunden und ja, wir tranken zwischendurch auch mal etwas. Ohne Zwischenfälle legten wir an, banden das Boot fest und kletterten raus.

Queen of Texas

Es war mittlerweile nachmittags geworden. Bernd machte einen kleinen Abstecher zum Restaurant Queen of Texas, um zu fragen, ob er dort nicht mal Gitarre spielen könnte. Der Wirt hatte nichts dagegen und engagierte Bernd kurzerhand für Sonntag von 14 Uhr bis 17 Uhr. Boah äih, das lief ja prima. Ich schwang mich gleich ans Telefon um meine Eltern zu fragen, ob sie nicht auch kommen wollten. Ich hatte sie ja schliesslich seit Tagen nicht gesehen und sie sagten sofort zu. Helga und Rudi wollten auch kommen und nun musste nur noch das Wetter mitspielen, aber da waren wir recht zuversichtlich.

Beginn von Bernds Solokarriere

Am Sonntag machte Bernd sich schon unmittelbar nach dem Frühstück bereit und räumte sein ganze Musikequickment aus dem Auto und parkte es vor der Garage auf dem Rasen. Ich versprach ihm, es mit rüberzutragen zu dem Restaurant in dem er spielen wollte. Dann stachen mir 3 Sachen ins Auge. 1) Unser Wäschekorb für die Schmutzwäsche war randvoll. 2) Bettwäsche müßte mal wieder gewechselt werden. 3) Garage war fast komplett leer. Die ideale Ausgangslage um unsere Waschmaschine in Gang zu setzen. Falls sie auslaufen sollte und dadurch die Garage überflutet werden würde, würde Bernds Musikanlage jedenfalls nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Ich zog schnell die Betten ab, sammelte die andere Schmutzwäsche zusammen, steckte alles in die Maschine, die ja im Schlafzimmer zu befüllen war und startete sie. Nun in, für mich, rasender Geschwindigkeit zur Garage und sehen ob alles dicht ist. Um es vorweg zu nehmen, sie leckte zwar etwas, aber das war nicht der Rede wert und 1,5 Stunden später war unsere Wäsche wieder sauber. Bernd schleppte derweil, auf seinem Fahrradgepäckträger seine Musikanlage zum Lokal. Er mußte etliche Male gehen , ehe er alles dort hatte. Wie heißt es so schön, jeder Gang macht schlank. Nicht das er es nötig hätte, aber ich sag immer: Wäret den Anfängen. Er brauchte dann noch ca. 30 Minuten und alles war aufgebaut. In der Zwischenzeit waren auch meine Eltern und Helga und Rudi eingetroffen und wir waren bester Laune. Bernd spielte und sang wie ein junger Gott. Sämtliche Coutrysongs, bekannte und unbekannte und die Gäste, meist Byker, waren echt begeistert. Mein Vater wollte natürlich immer irgendwelche Schlager aus den 60zigern und 70zigern hören und rief Bernd alle möglichen Vorschläge zu. Ich erklärte ihm , dass dies hier eine Westernkneipe war und Schlager hier nun überhaupt nicht passen aber er war völlig beratungsresistent und meinte eins ums andere Mal, das Schlager doch viel schöner wären. Irgendwann hatte Bernd erbarmen und spielte tatsächlich den Song: Deine Spuren im Sand. Nun war mein Vater endlich auch zufrieden. Die Zeit verging wie im Fluge und nach 2,5 Stunden war Bernds Session vorbei und er bekam zum Dank eine riesige Portion Sparerips. Obwohl ich kräftig mitaß, war es nicht zu schaffen. Wirklich ganz zufällig hatte ich Alufolie in meiner Handtasche und packte die restlichen Sparerips unauffällig ein. Hilft alles mit und ich brauche morgen nicht zu kochen, dachte ich. Meine Mutter, die dieses zufällig sah, bekam innerlich fast einen Anfall und versuchte mich mittels ihrer Augen, quasi durch Hypnose, davon abzuhalten. Schaffte sie aber nicht. Bernd und ich verputzen die Sparerips am nächsten Tag in unserem Kanu, als wir wieder eine Fahrt machten. Man waren die lecker. Unsere Zeit in Barßel ging jetzt langsam zuende. Wir durften noch eine tolle Fahrt mit der Amigo machen, zu der Rudi und Helga uns einluden und dann hieß es Abschied nehmen von Barßel. Es hat uns dort wirklich super gefallen und wenn wir nicht nach Westerstede gemusst hätten, ständen wir wahrscheinlich heute noch da.

Veröffentlicht von Ines & Bernd Hoormann

Bernd ist am 17.12.63 in Papenburg geboren und dort auch aufgewachsen ,Er hat 2 Kinder: Bennet und Carina.Bis zum 1 Juli 2017 Geschäftsführer in einem Lingener Ingenieurbüro und leidenschaftlicher Musiker.Er spielt Gitarre,am allerliebsten Country und singt,wie ein junger Gott .:-)Meine ganz persönliche Meinung.Und ich,Ines geb.11.02.65 in Westerstede,habe 3 Kinder:Jessica 31 Jahre,David 30 Jahre und Kim 27 Jahre und bin ein typischer Wassermann.Freiheitsliebend,läßt sich nicht gerne sagen wo´s langgeht und das absolute Gegenteil von Bernd,der daran manchmal zu verzweifeln droht.Kennengelernt haben wir uns im Mai 2006.Ich habe Bernd im Internet bei ilove(Datingline) gefunden und nach einem sehr holperigen Start, mit mindestens 3 Trennungen für immer,leben wir seit April 2007 zusammen in Lingen.Erst in einer gemieteten Doppelhaushälfte ,mit wahnsinnig netten Nachbarn,die später,obwohl unser Dackel,gleich am ersten Tag unseres Einzugs,deren Hamster umgebracht hat,später sogar unsere Trauzeugen wurden. dann in unserem Häuschen im Gauerbach.(Stadtteil von Lingen),welches wir nach 8,5Jahren verkauften um nur noch im WOMO zu leben.

Ein Gedanke zu „Barßel und immer wieder Barßel 04.07 – 13.07.2017“

  1. Liane sagt:

    Hallo Ines, was hast du alles wieder schön beschrieben. Man kann sich so richtig gut vorstellen, wie es bei euch zugeht. Ich höre dich geradezu lachen … Weiter so. Obwohl die eigentliche Reise ja noch gar nicht richtig angefangen hat bin ich schon gespannt, wie es weiter geht.

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