Womo

Rinteln 07.09- 11.09. 2017

Was macht man bei Dauerregen?

Die nächsten Tage sollte es nur regnen und somit war klar, dass wir unser Wohnmobil höchstens mal zum Rauchen verlassen würden. Ja ja Papa, ich weiß dass Rauchen nicht gesund ist! Wir beschlossen wieder nach Rinteln zu fahren, denn die Stadt kennen wir schon und verpassen nichts, wenn wir sie nicht besichtigen. Außerdem ist der Stellplatz kostenlos. Wir kamen bei strömenden Regen in Rinteln an und stellten uns an exact derselben Stelle wie beim letzten Mal. Wo war nur die Zeit geblieben?? In ein paar Tagen würde es losgehen mit unserer großen Fahrt. Soviel hatten wir uns bis dahin vorgenommen und kaum etwas davon erledigt. Perfekt Spanisch wollten wir sprechen können bis September. Jeden Tag mindestens 2 Stunden lernen hatten wir uns vorgenommen. Und was haben wir getan: Nichts!!! Wir sind immer noch bei Lektion 3 wie vor 1 Jahre und selbst davon haben wir mindestens die Hälfte vergessen. Das soll sich in Rinteln ändern. Gott sei Dank regnet es und wenn wir uns nicht langweilen wollen, müssen wir uns im Wohnmobil beschäftigen und zwar mit Lernen lernen lernen und nichts anderem. So war unser Plan.

Heute, wo ich dieses hier schreibe und wir schon 3 Tage hier sind muss ich leider feststellen das der Plan komplett in die Hose gegangen ist. Gelernt haben wir nur am ersten Tag ca 1,5 Stunden. Ersteinmal haben wir die letzten 3 Lektionen noch einmal wiederholt und Lektion 4, die schon schwieriger wird, beherrschen wir noch lange nicht. Mein Gott, lernen ist echt anstrengend. Dabei kann ich nicht einmal sagen, dass es im Alter schwieriger ist, weil ich keine Vergleichsmöglichkeiten habe. Als Kind fand ich in der Schule alles unnütz und war der festen Überzeugung dass ich 80 Prozent des vermittelten Stoffes nie wieder brauchen würde. Meine größte Angst bestand darin, dass meine Gehirnspeicherkapazität ausgereizt sein könnte, wenn tatsächlich einmal etwas wichtiges käme. Meine Eltern regten sich darüber immer furchtbar auf, konnten allerdings meine Einstellung auch nicht ändern. Ich wollte auch nie zum Gymnasium, das klang mir zu angeberisch. Darüber war mein Vater allerdings sehr froh, denn seiner Meinung nach haschten dort alle. So kam ich also zur Realschule. Trotz meiner Ängste und ohne meine Zutun mittels Lernen kam ich, bis auf Mathe ganz gut mit. In Mathe hatte ich immer eine vier und das auch nur, weil es immer eine Arbeit im Halbjahr gab, die mit Prozent- Zins- oder Zinseszinsrechnug zu tun hatte. Oder zumindest Dreisatz. Das alles konnte ich, weil  mir mein Vater es erklärt hatte. Bei dem verstand ich es, bei den Lehrern nicht. Außerdem fand ich es auch persönlich wichtig und hilfreich so etwas zu können und schrieb dann regelmäßig eine eins. Ganz im Gegensatz zu Sinus und Cosinus, Tangens und Cotangens,und Logarythmen .Ich wollte auch nie wissen, wieviel Luft in einen Kegel geht. Ganz ehrlich?? Ich weiß bis heute nicht wozu das alles gut ist und was für einen Beruf man eigentlich ausüben muss, um so etwas zu rechnen. Ich jedenfalls hab es nie verstanden, schrieb regelmäßig eine 5, manchmal auch eine 6 und diskutierte ständig mit meinem Mathelehrer. Dieser teilte mir bei unserem letzten Klassentreffen mit, das dieses Sinusgerechne aus dem Lehrplan für Realschulen genommen worden ist und er dabei sofort an mich denken musste. Wahnsinn, da bin ich 36 Jahre aus der Schule raus und mein Lehrer denkt noch einmal an mich. Echt irre so einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben. Mein Fazit: Hätte das Schulministerium schon damals auf mich gehört, hätten Millionen von Kindern sich nicht mit diesem Scheiß abplagen müssen. Diese Weisheit von einer damals 15 jährigen. Echt unglaublich. Aber ich schweife ab.

Trotz des Regens empfanden wir keine Langeweile. Ich räumte endlich einmal wieder alle Schränke auf und vernichtete auch den allerletzten Staubkrümel. Bernd beschäftigte sich mit unserer Route über Frankreich nach Spanien. Da er noch niemals dort war, war es anscheinend nicht so einfach. Er druckte mehrere Seiten dieser Länder aus und klebte sie aneinder, damit wie er mir sagte, er ein Gefühl für die Größe dieser Länder bekommt. Aha! Dann recherchierte er im Internet, wie man möglich Mautfrei fahren kann, welche Strecken besonders schön sind, wo eventuell Stellplätze zu finden sind usw. Das volle Programm halt. Ich würde mich lieber treiben lassen. Da wo es schön ist, einfach anhalten und wo es nicht schön ist einfach weiterfahren. Bernd aber kann ohne Pläne nicht leben und es ist für ihn ein Stück Sicherheit. Für mich sind sie ein Einschnitt in meiner Freiheit, aber natürlich werde ich dahin fahren, wo Bernd hinfährt. Wir sitzen ja im selben Wohnmobil. Trotzdem streiteten wir uns. Bernd war bereit eine andere Strecke zu fahren. Das aber wollte ich auch nicht. Ehrlich gesagt, wusste ich gar nicht was ich wollte. Ich wollte nur keinen Plan, denn auf jeden Plan reagiere ich allergisch. Das aber konnte ich Bernd überhaupt nicht vermitteln. Er war der Meinung, wenn wir nach meiner Strategie führen, würden wir uns ständig nur im Kreis bewegen. Das musste ich erst einmal verdauen. Nach längerem Nachdenken musste ich eingestehen, dass die Gefahr durchaus bestand und so ein Plan auch Vorteile haben kann, zumindest ein grober;-) Darauf verständigten wir uns dann und der Weltfrieden war wieder hergestellt.

Jeden Abend auf´s Neue sind wir überrascht, wie schnell so ein Tag rum geht. Selbst bei Regen! Heute allerdings, es ist Tag 3 hier und ich schreibe gerade in Echtzeit, wollen wir unser Wohnmobil verlassen, bevor wir doch noch einen Lagerkoller bekommen. Es ist gleich 11 Uhr und wir haben noch nicht einmal gefrühstückt, weil Bernd gerade erst aufgestanden ist. Weil Bernd ja Pläne so liebt, habe ich schon einen gemacht. Heute Nachmittag soll es endlich aufhören zu regnen und Bernd könnte dann eigentlich bei Marktkauf etwas auf der Gitarre klimpern und so unsere Haushaltskasse aufbessern. Ich habe schon im Internet recherchiert. Straßenmusiker werden hier als Bereicherung empfunden und es ist ausdrücklich erlaubt. Natürlich ist Bernd dagegen. Nachdem er nun 15 Minuten nur rumgequakt hat, habe ich überlegt, welchen Tag wir heute haben. So ein Gemotze kenne ich von ihm eigentlich nur Samstags. Ein Blick auf den Kalender, der in der Innentür des Badezimmers hängt, bestätigt meine Vermutung. Es ist Samstag!! Bernds innere Uhr scheint noch perfekt zu funktionieren. Im Gegensatz zu Bernd ist meine Laune heute phänomenal. Und das obwohl ich zugenommen habe. Kunststück, wenn man sich nicht bewegt. Ich verschiebe meine Diät auf Spanien, in der Hoffnung dort jeden Tag schwimmen zu können. Endlich bin ich mit dem Blog nicht mehr in Verzug. Natürlich überlege auch ich, was wir unbedingt noch für die Überwinterung brauchen. Außer Schokolade, Sonnencreme und Lidl Colalight fällt mir aber nichts ein. Schokolade ist in Spanien nicht unter 2 Euro zu bekommen und da Bernd und ich mindestens eine Tafel pro Tag benötigen, wären es in 8 Monaten mindestens 240 Tafeln. Bei Lidl kostet eine Tafel 49 Cent und wir würden also mindestens 1,51 Euro pro Tafel sparen. Das wären bei 240 Tafeln exact 362,40 Euro!!! Allerhand. Ich bin schon wieder Feuer und Flamme und überlege wo man sie verstauen könnte und wieviel Lidl Märkte ich anfahren muss um so viele zu bekommen. Wir mögen nämlich am liebsten nur die blaue, ohne Nüsse. Bernd erzähle ich lieber nichts von meinen Gedanken. Er wäre strikt dagegen, zumal unser Auto auch wirklich platzmäßig ziemlich ausgereitzt ist. Natürlich würde er sich in Spanien über Schokolade freuen, aber jetzt in diesem Moment würde er mich für bekloppt erklären. Mit Sonnencreme ist es so ähnlich. Dort gibt es keine unter 11 Euro und hier für maximal 3. In 8 Monaten würde Bernd ca. 16 Tuben verbrauchen. Ersparnis, wenn wir sie in Deutschland kaufen würden 128 Euro!!!! Bei Cola light ist es noch viel gravierender, weil wir Unsummen davon trinken. Rein platztechnisch bekommen wir sie aber wirklich nicht mit. Ich spare mir an dieser Stelle darum mal das Ausrechnen. Mittlerweile haben wir gefrühstückt. Bernd hat sich darüber mokiert wieviel Philadelphiakäse ich mir auf´s Brot geschmiert habe. Sein exakter Wortlaut war: Na, geht noch mehr drauf?? Natürlich !!, sagte ich und zeigte es ihm auch sogleich. Nun ist tatsächlich die Sonne rausgekommen und ich muss jetzt mal zusehen, dass ich in Wallungen komme. Bis später…………

Bernd spielt tatsächlich in der Fußgängerzone

Ja tatsächlich. Bernd schnallte sich um 13 Uhr 30 seine Gitarre auf den Rücken und wir fuhren mit den Fahrrädern in die Fußgängerzone.

… die gesamte Ausrüstung in meinem „survival-bag“ auf den Rücken geschnallt und ab gehts „auf die Platte“ 🙂

Welch eine Überraschung. Es war gerade Handwerkermarkt und jede Menge Leute waren unterwegs.

Wir stellten unsere Fahrräder ab und schritten ersteinmal die gesamte Fußgängerzone, nach einem geeigneten Standplatz für Bernd, ab. Bernd wollte nach Möglichkeit kein Geschäft stören und ich nach Möglichkeit sitzen. So kam eigentlich nur ein Platz in Frage und Bernd positionierte sich dann dort.

Ich ließ mich an einer Werbetafel nieder. Diese war an einem großen Stein befestigt, auf dem ich sitzen konnte, denn Bernd wollte ca. 2 Stunden Gitarre spielen und ich nicht solange dumm vor ihm rum stehen. Leute ich kann euch sagen, ich hatte noch niemals zuvor einen so kalten Hintern. Wer nie 2 Stunden auf einem Stein gesessen hat, kann es sich nicht mal ansatzweise vorstellen. Die Sonne schien vom fast wolkenlosen Himmel und nachdem Bernd seine Gitarre gestimmt hatte, fing er an. Man, war ich aufgeregt. Falls Bernd auch nervös war, ließ er es sich jedenfalls nicht anmerken. Er spielte und sang wie immer super und ich war mal wieder stolz wie Oscar.

Pausenlos machte ich mit dem Handy Filme und sprach dabei mit dem Universum. Das ist echt eine besondere Macke von mir. Ich glaube, ich erwähnte es schon einmal in einem anderen Beitrag. Man muß einfach irgendetwas im Universum bestellen und bekommt es dann auch. Versucht es ruhig einmal, es funktioniert tatsächlich. Vielleicht nicht sofort, dann aber später. Nicht betteln, sondern mit lauter Stimme und im Befehlston. In diesem speziellen Fall machte ich es über das Handy. Mir war schon klar, dass wenn ich ständig, mit Blick in den Himmel, lautstark Bestellungen ins Universum schreien würde, die Gefahr recht groß war in der Klapsmühle zu landen. Also unauffällig  aber dennoch mit Befehlston ins Handy gesprochen und abwarten. Natürlich ohne eine Nummer zu wählen. Was ich bestellte ist ja klar,oder? Jede Menge Kleingeld für den Gitarrenkasten, den Bernd vor sich liegen hatte. Es funktionierte überraschend gut. Vielleicht lag es aber auch an Bernd seinem Gesang.

Erbsensuppe …  und die Folgen danach …

Gegen 17 Uhr machte er Feierabend und lud mich von seiner Gage zu einer leckeren Erbsensuppe mit Bockwurst ein und hinterher noch zu einem noch leckereren Crepes mit Zimt und Zucker. Bernd war blendender Laune. Es hatte ihm richtig Spass gemacht und am nächsten Tag wollte er sogar noch einmal dort spielen. In allerbester Laune gingen wir nach Hause, sahen abends noch einen Film und wollten schlafen. Aber OH WEH: Die Erbsensuppe !!!! Lasst es euch gesagt sein. An dem Spruch: Jedes Böhnchen gibt ein Tönchen, jede Erbse einen Knall, ist echt was dran. Immer wenn ich gerade dabei war ins Reich der Träume hinabzugleiten gab es einen Knall. Mir war das ja sooooo peinlich. Ich mein, Bernd hat damit ja nun überhaupt keine Probleme. Er sagt immer, der Reaktor muss arbeiten. Mir aber, ist es unglaublich peinlich und wenn ich auf Toilette sitze und ein Geräusch entweicht, übertöne ich es regelmäßig mit einem Hustenanfall. Ich versuchte alles unter Kontrolle zu behalten, war aber so müde, dass ich ständig einschlief. Und wieder ein Knall. Sofort war ich hellwach und sagte laut zu Bernd: Ich hab es auch gehört, aber ich war´s nicht!! Bernd bekam sich vor Lachen kaum ein und meinte nur, dass wir dann wohl einen Untermieter hätten, der in unserer Garage lebt. Man man man wie peinlich. In dieser Nacht schlief ich wirklich kaum und schwor mir nie wieder Erbsensuppe zu essen. Wie gerädert wachte ich am nächsten Tag auf. Die Sonne schien wieder und Bernd spielte noch einmal am selben Platz. Diesmal war ich aber schlauer. Ich hatte ein dickes Sitzkissen dabei, damit mein Popo nicht wieder so kalt werden würde. Bernd sang wieder so schön und irgendwann hielt ich es nicht mehr auf meinen Kissen und gesellte mich zu ihm und sang lautstark mit. Jedenfalls die Passagen, die ich so kenne. Meistens ist das bei jedem Lied der halbe Refrain. Schön singen kann ich ja wirklich nicht, aber sehr sehr laut. Da widerum habe ich überhaupt keine Hemmungen. Die vorrübergehenden Leute grinsten mich an und plötzlich kamen sogar die Verkäuferinnen aus den gegenüberliegenden Geschäften und wollten anscheinend sehen, wer dort so laut und falsch singt. 3 Lieder hielt ich durch. In der ganzen Zeit warf ein einziger Mensch 50 Cent in den Kasten. Ich kam zu dem Entschluss, dass Bernd allein erfolgreicher ist und verpieselte mich klammheimlich. Nach 2,5 Stunden gingen wir vergnügt zurück zu unserem Wohnmobil. Vorher gönnten wir uns noch einen leckeren Crepe. Auf die Erbsensuppe verzichteten wir allerdings.

Kurz vor unserem Stellplatz direkt an der Weser war eine Beach-bar mit einem künstlichem Strand, jeder Menge Liegestühle und riesigen Liegekissen.

 

Von daher klang laute Livemusik und wir beiden beschlossen dort noch ein Bierchen zu trinken. Die Sonne schien noch immer und auch die Live-Musik dort  war super-klasse. Wir fühlten uns schon fast wie im Süden.

Es war ein toller Tag!!

Veröffentlicht von Ines & Bernd Hoormann

Bernd ist am 17.12.63 in Papenburg geboren und dort auch aufgewachsen ,Er hat 2 Kinder: Bennet und Carina.Bis zum 1 Juli 2017 Geschäftsführer in einem Lingener Ingenieurbüro und leidenschaftlicher Musiker.Er spielt Gitarre,am allerliebsten Country und singt,wie ein junger Gott .:-)Meine ganz persönliche Meinung.Und ich,Ines geb.11.02.65 in Westerstede,habe 3 Kinder:Jessica 31 Jahre,David 30 Jahre und Kim 27 Jahre und bin ein typischer Wassermann.Freiheitsliebend,läßt sich nicht gerne sagen wo´s langgeht und das absolute Gegenteil von Bernd,der daran manchmal zu verzweifeln droht.Kennengelernt haben wir uns im Mai 2006.Ich habe Bernd im Internet bei ilove(Datingline) gefunden und nach einem sehr holperigen Start, mit mindestens 3 Trennungen für immer,leben wir seit April 2007 zusammen in Lingen.Erst in einer gemieteten Doppelhaushälfte ,mit wahnsinnig netten Nachbarn,die später,obwohl unser Dackel,gleich am ersten Tag unseres Einzugs,deren Hamster umgebracht hat,später sogar unsere Trauzeugen wurden. dann in unserem Häuschen im Gauerbach.(Stadtteil von Lingen),welches wir nach 8,5Jahren verkauften um nur noch im WOMO zu leben.

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