Womo

Alltag bei uns

Gestern erreichte mich die Nachricht von George aus Deutschland, der den ganzen Blog in einem Rutsch gelesen hat. Er ist der Meinung, ich solle einmal etwas über unseren Alltag schreiben,  und gerne erfülle ich den Wunsch.

Was ist jetzt anders als früher?

In erster Linie fühlen wir uns jetzt frei und das ist einfach toll. Bis zum Juli diesen Jahres war es so, dass wir unglaublich viel gearbeitet haben und kaum Freizeit hatten. Wenn man sie dann doch hatte, saß man eigentlich nur auf dem Sofa und hatte den Laptop auf dem Schoß um Karten zu spielen oder bei ebay zu stöbern. Große Strecken des Jahres hatte man das Gefühl, es ist Herbst oder Winter. Zum Rausgehen hatte man nach getaner Arbeit überhaupt keine Lust mehr. Lieber sah man sich noch einen Film an und ging dann ins Bett um am nächsten Tag denselben Trott zu haben. Wenn das Wetter ausnahmsweise einmal gut war, kümmerte man sich um den Garten. Die Vorfreude auf den Urlaub war jedesmal gigantisch, aber da wir immer nur 4 Wochen im ganzen Jahr hatten, ging er jedesmal fiel zu schnell rum. Auch der Hausputz nahm immer viel Zeit in Anspruch. Zeit und Ruhe einmal ein Buch zu lesen hatten wir nie. Seitdem wir im Wohnmobil leben, hat sich alles verändert. Bernd trägt keine Uhr mehr und wir richten unseren Tagesablauf quasi nach der Sonne. Jetzt haben wir Ende Dezember und natürlich ist auch hier in Spanien nachts empfindlich kalt. Anstatt wie früher um halb sieben aufzustehen, warten wir jetzt ab, bis gegen viertel nach neun die Sonne ins Wohnmobil scheint und es aufheizt. Das spart Energie und mit der muss man im Wohnmobil immer haushalten. Gerade im Winter, wenn die Sonne tief steht und sie es schwerer hat unsere Solarpanele zu füllen, muss man sehr darauf achten und immer alle Lichter usw. auszuschalten. Strom ist ein tägliches Thema und früher habe ich nicht einmal ansatzweise gewusst, welch ein Luxus er darstellt. Gott sei Dank haben wir einen Stromgenerator und sind somit autak, wenn es mal bedeckt ist. Wir müssen demzufolge nicht auf teure Camping- oder Stellplätze. Allerdings ist er nicht gerade leise, da der Auspuff kaputt ist. Demnächst haben wir einen Termin in der Werkstatt, in der es dann hoffentlich behoben wird. Trotzdem können wir das Ding natürlich nicht den ganzen Tag rattern lassen, denn wir wollen unsere Nachbarn ja nicht verärgern und auch nicht soviel Benzin verballern. Wenn unsere Stromanzeige zu wenig anzeigt, wird abends kein fern gesehen, sondern ein Hörbuch angehört, was auch ganz schön ist. Ebenso bei Kerzenlicht zusammen zu sitzen. Nach dem Aufstehen wurde früher ausgiebig geduscht oder gebadet. Welch ein Luxus, den ich damals aber nicht als solchen erkannt hatte. Heute ist duschen nur noch alle 3 Tage angesagt und manchmal werden es sogar 4. Und selbst dann stellt man sich maximal 5 Minuten darunter, denn auch Wasser ist in unserem neuen Leben ein hohes Gut und kein Tropfen wird verschwendet. Aufgrund meiner langen Haare verbrauche ich beim Duschen 6 Liter mehr als Bernd. In Zahlen ausgedrückt 20 Liter. Toll war, als der Atlantik noch etwas wärmer war, denn da konnte man dort schon mal die Vorwäsche erledigen, quasi das Einweichen und die Haare schon nass machen. So schaffte man es dann noch einmal 5 Liter Duschwasser zu sparen. Aber momentan ist es doch sehr sehr kalt.  Da wir meist frei stehen gibt es in den seltesten Fällen  Wasser und so müssen wir ,um dieses Aufzutanken entweder einen Stellplatz mit Wasser finden oder eine Tankstelle. Dieses widerrum bedeutet das ganze Wohnmobil abfahrbereit zu machen. Das heißt: Stühle und Tische reinstellen, alle Sachen festsurren und ordentlich verstauen, Schränke verriegeln, denn sonst purzelt das Geschirr während der Fahrt raus, Hubstützen einfahren und und und. Da wir aber Gott sei Dank einen Wassertank mit 340 Litern Fassungsvermögen haben, reicht unser Wasser meist 10 Tage. Viele haben nur 100 Liter und sind zu viert unterwegs. Da wird es dann schon problematischer. Heute verbrauchen wir in einer Woche soviel Wasser wie früher an einem Tag. Das heißt aber nicht, dass wir stinken, nur muss heute der gute alte Waschlappen herhalten. Aus demselben Grund, tragen wir heute unsere Sachen entschieden länger. Früher hatten wir 2 Waschladungen in der Woche. Heute eine in 10 Tagen. Den größten Teil des Tages verbringen wir nun draußen an der frischen Luft und zwar zu 95 Prozent mit Meeresrauschen und einem Wahnsinnspanorama. Frühstücken tun wir aber immer drinnen. Meist mache ich es, denn zu zweit im Womo rumlaufen macht mich wahnsinnig. Abgewaschen wird nur einmal am Tag, denn auch das spart Wasser und Gas. Nach dem Frühstück wird schnell geputzt. Das dauert allerdings nicht länger als maximal 20 Minuten. Aufgeräumt wird mehrmals täglich. Dadurch, dass ein Wohnmobil viel kleiner als ein Haus ist, braucht man nur wenige Teile rumliegen zu lassen und schon sieht es aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Jede Sache hat seinen Platz, was wirklich wichtig ist, denn sonst sucht man sich ständig dumm und dämlich.  Danach haben wir, wenn man vom Kochen einmal absieht, welches meist gegen 17 Uhr stattfindet, Feierabend. Meist ist es dann so 10 Uhr 45 und die Sonne scheint.Manchmal machen wir einen Spaziergang, manchmal eine Radtour.Als der Atlantik noch etwas wärmer war, waren wir jeden Tag schwimmen. Der Tag geht sensationell schnell rum. Ab halb 7 geht es dann wieder rein. Das ist der Zeitpunkt wo die Sonne untergeht und es auf Schlag kühler wird. Drinnen wird dann gekocht, oder spanisch gelernt, Blog geschrieben, gegessen oder irgendetwas repariert. Sehr oft, lernt Bernd auch neue Lieder auf der Gitarre, während ich lese, Blog schreibe oder fernsehe. Gegen 21 Uhr 30 schmeißen wir noch für 2 Stunden den Fernseher an. Ich schlafe allerdings schon um 22 Uhr ein. Bernd fährt dann die Antenne runter und macht alles auf. Wenn wir Großeinkauf machen, erledigen wir das oft mit dem Fahrrad. Dann werden sämtliche vorhandenen Satteltachen an die Räder geklemmt und zusätzlich noch Rucksatz und Tüten mitgenommen. Da wir oft einsam stehen, kaufen wir Brot immer auf Vorrat und frieren es ein. Mehr als 60 Euro geben wir pro Einkauf nicht aus, da wir sonst Probleme mit dem Stauraum bekommen. So oder ähnlich verlaufen unsere Tage und wir finden es herrlich. Unser Haus haben wir bisher nicht ein einzigen Tag vermisst. Im Gegenteil, wir können uns momentan gar nicht mehr vorstellen, in einem solchen zu wohnen und auch die Gartenarbeit fehlt uns überhaupt nicht. Wenn es uns irgendwo nicht mehr gefällt, oder wir das Gefühl haben, wir müssen nun einmal etwas anderes sehen, fahren wir eifach weiter.

 

 

 

Veröffentlicht von Ines & Bernd Hoormann

Bernd ist am 17.12.63 in Papenburg geboren und dort auch aufgewachsen ,Er hat 2 Kinder: Bennet und Carina.Bis zum 1 Juli 2017 Geschäftsführer in einem Lingener Ingenieurbüro und leidenschaftlicher Musiker.Er spielt Gitarre,am allerliebsten Country und singt,wie ein junger Gott .:-)Meine ganz persönliche Meinung.Und ich,Ines geb.11.02.65 in Westerstede,habe 3 Kinder:Jessica 31 Jahre,David 30 Jahre und Kim 27 Jahre und bin ein typischer Wassermann.Freiheitsliebend,läßt sich nicht gerne sagen wo´s langgeht und das absolute Gegenteil von Bernd,der daran manchmal zu verzweifeln droht.Kennengelernt haben wir uns im Mai 2006.Ich habe Bernd im Internet bei ilove(Datingline) gefunden und nach einem sehr holperigen Start, mit mindestens 3 Trennungen für immer,leben wir seit April 2007 zusammen in Lingen.Erst in einer gemieteten Doppelhaushälfte ,mit wahnsinnig netten Nachbarn,die später,obwohl unser Dackel,gleich am ersten Tag unseres Einzugs,deren Hamster umgebracht hat,später sogar unsere Trauzeugen wurden. dann in unserem Häuschen im Gauerbach.(Stadtteil von Lingen),welches wir nach 8,5Jahren verkauften um nur noch im WOMO zu leben.

2 Gedanken zu „Alltag bei uns“

  1. Katrin sagt:

    Moin Ines, moin Bernd,
    Bernd und ich haben zusammen die FOS in Papenburg besucht. Mit Ludwig hat er auf unserer Hochzeit am 25.05.90 Musik gemacht. Auf euren Blog bin ich aufmerksam geworden, weil Susanne Bohse einen Kommentar von Ludwig geliked hat.
    Wir fahren auch Wohnmobil, allerdings nur an den WE und im Urlaub. Den einen oder anderen Stellplatz in Ostfriesland, auf denen ihr gestanden habt, werden wir uns mal ansehen, sobald das Wetter besser wird. Leider regnet es seit Monaten. Bin ganz neidisch auf eurer Wetter. Ich bewundere euren Mut zum Ausstieg, wüsste nicht, ob ich den Mumm hätte, in Deutschland alles aufzugeben.
    Habt ihr monatliche Einnahmen oder finanziert ihr euer Leben nur durch den Verkauf des Hauses? Wieviel hattet ihr vorher gespart?
    Freue mich schon, bald wieder von euch zu lesen. Du schreibst sehr amüssant, Ines 😀
    Vielleicht sieht man sich ja mal unterwegs.
    Wünsche euch eine tolle Zeit. Liebe Grüße Katrin

    1. Ines & Bernd Hoormann sagt:

      Hallo Katrin,
      Vielen Dank für deinen Eintrag. Bernd erinnert sich natürlich an dich und sogar an eure Hochzeit. Viele Grüße von ihm. Da wir diesen Plan seit nunmehr 12 Jahren haben, haben wir jeden Cent zur Seite gelegt und gespart. Zusätzlich zum Hausverkauf wird es bis zur Rente reichen, wenn wir weiterhin so sparsam sind. Das fällt uns aber nicht schwer, denn das Leben hier ist sehr günstig.Liebe Grüße Ines und Bernd

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