Womo

Auf dem Heimweg

11.04.2018  La Bega de Mar bei Cullera

Nun ist es vorbei mit den idyllischen Dörfern und wir verstehen allmählich weshalb die Leute, die wir unterwegs kennengelernt hatten, uns erzählt hatten, dass die Mittelmeerküste extrem hässlich wäre. Alles ist zugebaut mit Hochhäusern, welche anscheinend Feriendomiziele sind. Da jetzt noch immer keine Saison ist, steht alles leer. Ich habe mal 5 Jahre im Osten gewohnt und diese Häuser hier erinnern doch sehr an die Plattenbauten dort in den 90 ziger Jahren.

Vor 3 Tagen hatte unser Navi uns mitten in so eine Geisterstadt geschickt. Dort sollte es angeblich einen Stellplatz geben. Tat es aber nicht und so haben wir uns einfach in eine Parkbucht gestellt und dort die Nacht verbracht.

Es war ganz schön unheimlich. Wir, umgeben von Wolkenkratzern, die allesamt leerstanden. Auch gab es dort auch kein Geschäft oder ähnliches. Geschlafen haben wir trotzdem gut und am nächsten Tag säuberten wir zuerst einmal unser Wohnmobil. Von dem Sand, den Bernd aus den Teppichen bürstete, hätte man bequem einen Sandkasten füllen konnten. Überhaupt war der Sand überall und es dauerte so seine Zeit bis alles wieder tippitoppi war. Dann aber ging es los.

Zuerst nur 8 Kilometer zur nächsten Tankstelle nach Cullera, denn wir brauchten Wasser und Diesel. Der Liter Diesel kostete 1,11 Euro, aber das Wasser war schweineteuer. 30 Liter 50 Cent. Wir „“ 🙂  1,50 Euro und ab ging die Fahrt, immer Richtung Deutschland (na ja, sagen wir erst einmal Richtung Barcelona … Deutschland ist ja noch soooo weit weg!). Unterwegs stellten wir fest, dass die Landschaft hier ganz anders war, als in Andalusien. Zwischendurch konnte man sogar den Eindruck gewinnen, man wäre in Frankreich. Ansonsten immer das gleiche Bild. Sobald man in die Nähe des Mittelmeeres kam, gab es nichts anderes als Betonwüsten.
Da es außerordentlich windig mit gealtigen Böen war und Bernd kaum unseren Wagen in der Spur halten konnte, beschlossen wir einen Stellplatz zu suchen. Dafür war ich als Beifahrerin zuständig. Einer gefiel mir vom Bild her besonders gut und der Navi jagte uns kreuz und quer durch die Stadt, bis wir irgendwann über immer schmaler werdende Strassen zu einer Brücke kamen, die maximal eine Höhe von 2, 50m hatte. Bernd stellte dann fest, dass ich einen Picknickplatz eingegeben hatte, der für uns natürlich unerreichbar war. Bernd´s Laune war nicht die Beste  und er durfte jetzt selbst einen Stellpatz suchen.  (erst einmal gab es ein spektakuläres Wendemanöver, da der Weg selber nur noch ca. 3 m breit war und wir quasi in einer Mulde standen, so dass wir trotz hinterer Luftfederung beim Wenden einmal auf den Boden aufsetzten. Also x-mal vor-und zurückrangieren, bis wir wieder den Weg verlassen konnten. Dank an Ines für die „gute“ Navigation) 

Es gab einen, nicht weit von Sagunt (Grao de Sagunt) und zu dem fuhren wir jetzt. Eigentlich war er für Reisemobile bis 8 Metern Länge ausgelegt und damit zu klein für unser 9,10m Schiff, aber wir hatten Glück. Es war nicht viel los und wir konnten uns quer über 4 Plätze stellen.

Der Ort selber war genauso hässlich, wie alles andere in der Gegend, aber das konnte man komplett ausblenden, denn der Stellplatz grenzte direkt an der kilometerlangen Promenade und die widerum ging immer am Strand entlang. Somit hatten wir mal wieder Meerblick und zu unserer Freude gab es hier sogar ein feines sauberes Toilettenhäuschen, aus dem man auch Wasser holen durfte. Klasse, so konnte ich mal wieder richtig viel Wäsche waschen, allerdings mit Hand und Waschbrett, denn Strom gab es hier keinen und den Generator wollten wir, auf Rücksicht auf unsere Nachbarcamper, lieber aus lassen. Nach wie vor war es unglaublich windig und wir blieben fast die ganze Zeit im Wohnmobil und lernten eine weitere Lektion spanisch. Später am Abend wurde es dann tatsächlich etwas weniger mit dem Wind, so dass wir es wagen konnten, fern zu sehen, ohne dass es uns die Antenne vom Dach reißen würde. Dabei schlief ich ein.

Gute Nacht Ines mein Schatz … bei schön warm-gelber Stellplatzbeleuchtung (diese wurde erst morgens um ca. 7 Uhr ausgeschaltet).

12.04.2018 Grao de Sagunt unter Palmen

Am nächsten Morgen war traumhaftes Wetter. Bis auf ein paar Schönwetterwolken nur purer Sonnenschein und wir machten gleich nach dem Frühstück einen langen Spaziergang über die Promenade. Ich ging später den selben Weg zurück, während Bernd den Strand vorzog. Gleichzeitig kamen wir am Wohnmobil an. Ich total abgekämpft, Bernd absolut tiefenentspannt. Nun waren wir der Meinung genug Bewegung gehabt zu haben. Gestern hatte ich schon entdeckt, dass der Strand wirklich wunderschön ist, wenn man auf´s Wasser und bloß nicht nach hinten zu den Betonklötzen sieht, die wie gesichtslose Riesen hinter der Promenade emporragen. Da man auf dem Stellplatz kein Campingverhalten an den Tag legen durfte, nahmen wir unseren Tisch und unsere Stühle einfach kurzerhand mit zum Strand und verbrachten dort einen wunderbaren Tag unter Palmen.

Ein Womo-Ehepaar mit unendlichem Redefluss hat uns belagert …..Am späten Nachmittag trieb uns dann der Hunger zurück. Es gab unglaublich zähe Schnitzel mit Kartoffelpüree. Kaum aufgegessen, gesellte sich ein älteres Ehepaar, welches auch mit Wohnmobil hier stand zu uns. Mein Gott, waren die anstrengend!! Sie erzählten und erzählten und erzählten. Man hatte wirklich das Gefühl, die beiden hätten seit Monaten keine Unterhaltung mehr geführt und dieses musste nun non stop nachgeholt werden. 2 Stunden quatschten sie uns voll und es war wirklich unmöglich den Redefluss zu unterbrechen, geschweige dazwischen zu kommen. Es ging über Städte, Stellplätze, Krankheiten, Verdauungsstörungen und selbst vor Hämorieden ( wie schreibt man das?) wurde nicht halt gemacht. Kurz gesagt: Sehr sehr anstrengend und nervig! Bernd und ich gaben schon lange keinen Kommentar mehr ab, aber das schienen sie nicht zu bemerken oder es war ihnen egal. Höflich hin oder her, Bernd ging irgendwann einfach ins Wohnmobil, mit dem Hinweis er müsse jemanden zurückrufen. Nun wurde ich von beiden Seiten zugetextet, wobei es ihnen egal war, dass sie von grundverschiedenen Dingen sprachen. Mir war es auch egal, denn mich interessierte nichts von dem, was die beiden zu berichten hatten. Man, das klingt jetzt wirklich etwas bösartig, aber die beiden waren wirklich sehr sehr nervig. Irgendwann sagte ich, ich müsse jetzt kochen und das Bernd extrem schlechte Laune bekommt, wenn nicht pünktlich das Essen auf dem Tisch stünde. Zwar hatten wir schon längst gegessen, aber das konnten die beiden ja nicht wissen. Stufe für Stufe zog ich mich ins Mobil zurück und die beiden redeten noch immer. Oben angekommen schloss ich dann einfach die Tür. Den Rest des Tages trauten wir uns nicht mehr raus, denn die beiden umzingelten ständig unser Mobil.

13.04.2018

Gegen 14 Uhr wollten wir weiterfahren, aber gleich nach dem Frühstück, bemerkte Bernd, dass unser Kühlschrank sich ausgeschaltet hatte. Das hatte er in der Vergangenheit schon des öfteren getan und bisher genügte ein Knopftdruck und er sprang wieder an. Heute war dem aber nicht so und Bernd schraubte von außen die Verkleidung ab, um den möglichen Fehler zu finden. Die Ursache war schnell gefunden. Unser Kühlschrank konnte die Flamme, die zum Kühlen benötigt wird, nicht zünden und Bernd versuchte es dann per Hand mit einem Feuerzeug. (ich lass das hier einfach mal so stehen, denn sonst würde es eine längere technische Erklärung werden…  nur eins liebe Ines: ein Kühlschrank kann keine Flamme zünden, sondern ein Zünder kann das LPG-Gas entzünden 🙂  ) Danach ging dann nichts mehr und uns war klar, wir würden es alleine nicht hinbekommen. Bernd führte unzählige Telefonate mit deutschen Werkstätten, was allerdings auch nichts nützte. Ja, heute war Freitag der 13te und das bekamen wir knüppeldick zu spüren. Irgendwann bekam Bernd dann eine Nummer von einer Servicevertragswerkstatt in unserer momentanen Nähe und rief dort an. Leider konnte der gute Mann am anderen Ende der Leitung kein Wort Englisch und so mussten Bernds Spanischkenntisse eingesetzt werden. Überraschenderweise funktionierte es und Bernd sollte bis 17 Uhr dort sein. 45 Kilometer waren es bis zu der Werkstatt. Dort angekommen, sahen wir sofort, dass es unmöglich war, dort mit unserem Schiff zu parken. Der Mechaniker stand aber schon draußen und erklärte uns, dass er vor-  und wir hinter ihm her fahren sollten. Gesagt getan und keine 5 Minuten später parkten wir auf einem großen Platz. 30 Minuten besah sich der sympathische Spanier die Technik unseres Kühlschranks, maß alles durch, versuchte dies und jenes und überbrachte uns dann die Hiobsbotschaft, dass wir einen neuen bräuchten, da es für dieses 15 Jahre alte Teil keine Ersatzteile mehr geben würde. So etwas ähnliches hatten wir uns auch schon gedacht, waren aber wirklich am Rande der Verzweiflung. Was sollten wir jetzt tun? Unser Kühlschrank war randvoll, jetzt würde uns alles vergammeln, so ein Scheiß. Ein Anruf in Deutschland brachte uns auch nicht viel weiter. Diese hatten erst ab August Termine frei, um uns einen neuen einzubauen. Hallo????? Wir leben in dem Ding!!! (Ding ???  … oder meinst du den Kühlschrank? … wir müssen unserem tollen WoMo wohl doch  noch einen Namen verpassen !? ) Wie sollen wir denn so lange ohne Kühlschrank klarkommen??? Ich fragte den Spanier, ob er uns einen neuen einbauen könnte. Das wäre kein Problem, zudem noch 500 Euro billiger als in Deutschland, stellten wir fest. Allerdings müsste der Kühlschrank aus Madrid geliefert werden und da könne man frühestens Montag morgen anrufen und diesen bestellen, setzte der Mechaniker uns in Kenntnis. Allerdings würde die Lieferung frühestens Donnerstags hier eintreffen, eher aber Freitag. Puh, was sollten wir tun??? Wir hatten doch wichtige Termine in Deutschland, die man nicht verschieben konnte. Bernd erklärte sich bereit, die verbleibenen 2000 Kilometer in eins durch zu fahren.

Stellplatz bei Castellon
Erst einmal bedankten wir uns bei dem Mechaniker und suchten einen Stellplatz in der Nähe. Der erste, den wir fanden, war heillos überfüllt und auch zu klein für uns. Der zweite lag 30 Kilometer entfernt und hatte Platz satt. Er lag zwischen einer viel befahrenen Strasse und einem kleinen Flugplatz. Hier gab es tatsächlich jede Menge Leute, die hier überwintert hatten. Für uns unvorstellbar.

Aber zum Zeitvertreib kann man hier den Sportflugzeugen und den Fallschirmspringern zuschauen. Ines wollte dann doch keinen Tandemsprung absolvieren!! Und ich ? Na ja …….

Bis Montag sollte es hier aber unser Quartier werden und wenn wir dann Rücksprache mit dem Mechaniker gehalten hatten, würden wir weitersehen. Wir parkten unser Wohnmobil neben einem holländischen netten Pärchen, welche draußen saßen. Sofort wurden wir eingeladen, uns zu ihnen zu setzten. Das taten wir dann auch. Ich machte für uns alle einen großen Pott Sangria. Unserer Meinung hatten wir einen guten Grund uns heute mal zu betrinken. Das holländische Pärchen leistete uns gerne dabei Gesellschaft und Marcelle (so hieß die Holländerin) brachte einen großen Teller mit Käse und Wurst. Gott sei Dank, konnte ihr Mann Martin ,genau so gut Deutsch wie sie und schon hatten wir tolle Gespräche. Bernd ließ sich nicht lumpen und holte sogar noch die Gitarre raus und Martin sagte in seinem holländischen Akzent ein ums andere Mal: Ich find das soooo schön. Wir alle sangen fröhlich mit und gingen von Sangria zu Cola Rum über. Bernd holte dann noch eine Tüte Chips und kam mit den Worten wieder, dass wir morgen weiterfahren könnten, wieder. Auf meine Frage, warum?? antwortete er:“ Der Kühlschrank funktioniert wieder!“ Und dem war tatsächlich so. Selbst jetzt wo ich  blogschreibenderweise neben Bernd sitze, der fährt, läuft das gute Teil und zwar ohne sich zwischendurch einmal auszuschalten, was zur Folge hat, dass wir im Kühlschrank jetzt frostige 3 Grad haben. Egal, besser als wenn er gar nicht funktionieren würde. Momentan sind wir Richtung Barcelona unterwegs und morgen werden wir, wenn alles gut geht, schon in Frankreich sein.

Veröffentlicht von Ines & Bernd Hoormann

Bernd ist am 17.12.63 in Papenburg geboren und dort auch aufgewachsen ,Er hat 2 Kinder: Bennet und Carina.Bis zum 1 Juli 2017 Geschäftsführer in einem Lingener Ingenieurbüro und leidenschaftlicher Musiker.Er spielt Gitarre,am allerliebsten Country und singt,wie ein junger Gott .:-)Meine ganz persönliche Meinung.Und ich,Ines geb.11.02.65 in Westerstede,habe 3 Kinder:Jessica 31 Jahre,David 30 Jahre und Kim 27 Jahre und bin ein typischer Wassermann.Freiheitsliebend,läßt sich nicht gerne sagen wo´s langgeht und das absolute Gegenteil von Bernd,der daran manchmal zu verzweifeln droht.Kennengelernt haben wir uns im Mai 2006.Ich habe Bernd im Internet bei ilove(Datingline) gefunden und nach einem sehr holperigen Start, mit mindestens 3 Trennungen für immer,leben wir seit April 2007 zusammen in Lingen.Erst in einer gemieteten Doppelhaushälfte ,mit wahnsinnig netten Nachbarn,die später,obwohl unser Dackel,gleich am ersten Tag unseres Einzugs,deren Hamster umgebracht hat,später sogar unsere Trauzeugen wurden. dann in unserem Häuschen im Gauerbach.(Stadtteil von Lingen),welches wir nach 8,5Jahren verkauften um nur noch im WOMO zu leben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*