Womo

Ein Schiff wird kommen……… Sturm!!! – 01.02.2019

Schon gestern hatte es den ganzen Tag immer mal wieder geregnet und es war recht ungemütlich. Eine gute Gelegenheit einmal alle Küchenschränke aufzuräumen und zu säubern. Dabei stellte ich fest, dass im linken Schrank über dem Herd, 2 Borten übereinander lagen. Komisch, dass war mir vorher noch nie aufgefallen. Es musste doch eine Bedeutung haben? Und tatsächlich stellte ich fest, dass es Halterungen in der Mitte des Schrankes gab, wo das Brett exakt draufpasste. Nun hatten wir ein Staufach mehr. Welch ein Luxus!!! Grund genug alles umzusortieren. Es ist schon wirklich erstaunlich, wie sich der Begriff von Luxus verschiebt, wenn man im Womo lebt. Meine Freude über das zusätzliche Fach ist wahrscheinlich zu vergleichen, mit jemanden, der über Nacht wie durch ein Wunder,ein zusätzliches Zimmer in seiner Wohnung entdeckt.
Da wir kein bißchen Datenvolumen mehr hatten, zog sich der Tag ziemlich in die Länge. Am Nachmittag bekamen wir dann unverhofften Besuch von Jürg. Netterweise wollte er uns zum Essen einladen, aber Bernd wollte nach der vergangenen Einbruchserie hier in Roche unter keinen Umständen unseren Saloon aus den Augen lassen. Schade, denn ich hatte so richtig Apettit auf ein Kotelett mit Pommes. Da wir alle hungrig waren, machte ich uns ein paar Burger. Die waren auch ganz lecker und erfüllten ihren Zweck.
Nach dem Essen verabschiedete sich Jürg und da mir langweilig war, stellte ich den Fernseher an. Leider war es nur ein kurzes Vergnügen, denn schon bald kam ein ordentlicher Wind auf. Wir fuhren die Antenne wieder runter und Bernd kletterte aufs Dach, um sie festzubinden. Keinen Moment zu früh, denn jetzt fing es ordentlich an zu stürmen. Das Wohnmobil schaukelte hin und her und es dauerte nicht mehr lang, da gesellte sich zu dem Wind der Regen dazu. Der Himmel öffnete seine Schleusen und im Nu stand der ganze Platz unter Wasser. Der lehmige Boden verwandelte sich in unzählige reißende Bäche. Ein Blick auf den Wetterradar bestätigte unsere Befürchtung, dass sich ein ordentlicher Sturm ankündigte. Noch aber, hielt er sich in Grenzen. Wir (Ines) stellten fest, dass es ziemlich öde ist, bei schlechtem Wetter ohne TV und PC und waren froh, als es endlich 23 Uhr war und wir ins Bett konnten.

Ach Ines, ohne PC und TV bisst Du doch sogar richtig kreativ geworden und hast aus altem Kerzenwachs neue Kerzen hergestellt. Leider hat das mit den selbstgebastelten Dochten nicht wirklich funktioniert und so wanderte zum Schluß doch alles wieder in den Müll. Aber ein Versuch war es wert und es hat Ines anscheinend sogar Spass gemacht!

Der Sturm nahm immer mehr an Fahrt auf und so war an Schlaf kaum zu denken. Auch war es merkwürdigerweise ziemlich warm im Saloon und wir schwitzen doch sehr. Fenster öffnen??? Das war nicht mehr möglich. Ein kaputtes Fenster reichte uns.
Ich war wirklich froh, als die Nacht vorbei war. Von dem ewigen Gewackel war ich schon fast seekrank und der Regen prasselte dermaßen aufs Dach, dass innen ein Höllenlärm herrschte. Endlich konnte ich aufstehen und weil es heute neues Datenvolumen gab, spielte ich ausgibieg Karten im Internet. Gegen halb 9 stand Bernd auf. Auch er hatte schlecht geschlafen und iskierte erst einmal einen Blick aus dem Schlafzimmerfenster zum Strand. Dabei bemerkte er dort ein großes Schlauchboot, mutterseelenallein im Sand vor der stürmischen Brandung des Atlantiks.

Da es so stark regnete, konnte man kaum ein klares Bild erkennen!

Sofort war uns klar, dass Flüchtlinge damit unterwegs gewesen sein mussten. Das wollte ich mir doch mal genauer ansehen und ich wagte mich nach draußen, wo noch immer der gewaltige Sturm und Regen tobte. Der Weg runter zum Strand war total matschig und mehr als einmal konnte ich so gerade eben einen Sturz vermeiden. Nun war ich unten angekommen und sah im Sand etwas Schwarzes liegen. Hoffentlich keine Leiche, dachte ich. Zum Glück war es nur eine große Plane. Bei dem Schlauchboot angekommen, es war
ca. 5 Meter lang und hatte ein großes Loch auf einer Seite, stellte ich fest, dass kein Mensch an Bord war. Dafür aber 17 große Kanister, welche randvoll mit Benzin waren. Das Boot hatte einen Außenbordmotor, wie ich sogleich feststellte. Hoffentlich hatten die Menschen überlebt! Wie verzweifelt muss man sein, wenn man sich bei diesem Sturm, bei diesen Wellen in dieser Nussschale auf den Weg von Afrika hier rüber macht?? Ich sah mich um, konnte aber niemanden entdecken und kämpfte mich zurück zum Mobil. Dort wartete draussen im Regen schon Bernd voller Spannung. Ich berichtete ihm alles und wir entschieden zusammen, sofort bei der Polizei anzurufen. Bald würde nämlich die Flut kommen und das Boot mit all dem Benzin im Meer landen. Welch eine Umweltsauerei. Vorher hätte ich gerne noch den ein oder anderen Kanister hochgeschleppt, aber mit Bernd kann man so etwas nicht machen und mir waren sie zu schwer. (was sollen wir mit dem Benzin? – wenn es dann überhaupt Benzin ist?! Wir fahren Diesel und ich habe nur Platz für unseren einen 5-ltr. Benzinkanister für unseren Stromgenerator) Die Polizistin, die ich an der Strippe hatte  verstand nur Bahnhof, egal ob ich englisch oder spanisch sprach und ich reichte den Hörer weiter an Bernd. Der verzweifelte auch fast, aber am Ende hatte sie endlich alles verstanden.

Schon 3 Minuten später wimmelte es hier nur so von Polizisten. Insgesammt waren 9 Guardia Civil Beamte in 4 Polizeiautos hier.

Auch sie kämpften sich runter zum Strand. Mittlerweile hatte aber zumindest der Regen aufgehört. Ein Blick aus dem Fenster und ich sah, dass auch Bernd unten am Strand stand. Das sah sehr sehr lustig aus. Blaue Latschen, Unterhose und darüber seine rote Regen-Jacke. Langsam wird er mir immer ähnlicher, dachte ich noch so bei mir, als ich sah, dass er mitten zwischen dem ganzen Polizeiaufgebot jede Menge Fotos schoss. Das hätte ich mich ja nun nicht getraut, aber er wollte halt, dass ihr liebe Leser alles hautnah miterleben könnt.

Mittlerweile hatten sich direkt vor unserem Saloon noch mehr Polizisten versammelt. Die Kanister wurden hochgeschleppt, aber zuvor hatte ein Zivilist mit Hund tatsächlich einen Kanister mitgehen lassen. Ist das eigentlich Diebstahl oder Fundsache? Nun wurde noch der Motor ausgebaut, das Boot zerstochen und der Spuk war beendet. Mittlerweile hatten sich auch andere Wohnmobilisten hier versammelt und einer meinte, dass weil noch soviel Benzin an Bord war, die Leute bei dem Wellengang in der vergangenen Nacht sicher aus dem Boot gefallen wären. Wir hoffen, dass sie nur wegen des Windes noch so viel übrig hatten und eher als gedacht am Ziel waren!  Jetzt wo ich dieses schreibe, kommt gerade ein „Schaufeltrecker“ (  :-), ich weiss auch nicht, wie das Gerät wirklich heisst… halt eine Multi-Radlader …  aber seht selbst anhand der Fotos) , um die „Bootreste“ vom Strand zu holen. Keinen Augenblick zu früh, denn es liegt mittlerweile schon im Wasser und droht jeden Moment rausgezogen zu werden.

Der Trecker kann es gerade so und nach mehrmaligen Versuchen mit Mühe und Not auf die Schaufel bekommen und fährt dann hoch zu unserem Stellplatz, wo er die Überreste in den großen Müllcontainer verfrachtet.

Da verschwinden die Reste des großen Schlauchbootes in „unseren“ Müllcontainer… und der Trecker wühlt sich durch die aufgeweichte Erde.

Nun scheint plötzlich wieder die Sonne von einem wolkenlosen Himmel und es ist unvorstellbar, dass vor weniger als 2 Stunden hier noch der heftigste Sturm getobt hat. Auch das ist Spanien!

Veröffentlicht von Ines & Bernd Hoormann

Bernd ist am 17.12.63 in Papenburg geboren und dort auch aufgewachsen ,Er hat 2 Kinder: Bennet und Carina.Bis zum 1 Juli 2017 Geschäftsführer in einem Lingener Ingenieurbüro und leidenschaftlicher Musiker.Er spielt Gitarre,am allerliebsten Country und singt,wie ein junger Gott .:-)Meine ganz persönliche Meinung.Und ich,Ines geb.11.02.65 in Westerstede,habe 3 Kinder:Jessica 31 Jahre,David 30 Jahre und Kim 27 Jahre und bin ein typischer Wassermann.Freiheitsliebend,läßt sich nicht gerne sagen wo´s langgeht und das absolute Gegenteil von Bernd,der daran manchmal zu verzweifeln droht.Kennengelernt haben wir uns im Mai 2006.Ich habe Bernd im Internet bei ilove(Datingline) gefunden und nach einem sehr holperigen Start, mit mindestens 3 Trennungen für immer,leben wir seit April 2007 zusammen in Lingen.Erst in einer gemieteten Doppelhaushälfte ,mit wahnsinnig netten Nachbarn,die später,obwohl unser Dackel,gleich am ersten Tag unseres Einzugs,deren Hamster umgebracht hat,später sogar unsere Trauzeugen wurden. dann in unserem Häuschen im Gauerbach.(Stadtteil von Lingen),welches wir nach 8,5Jahren verkauften um nur noch im WOMO zu leben.

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