Womo

Ausnahmezustand in Spanien März 2020

Bernd und ich waren am 08.03 von der Finca nach Roche gefahren. Das Wetter war spitze und wir befürchteten schon, dass es dort so voll sein würde, dass wir keinen Platz mehr finden würden. Die Zeiten, dass wir dort sogar manchmal alleine standen, waren, wie uns die paar Male, die wir dort waren erfahren mussten, wohl endgültig vorbei. Wie überrascht waren wir, dass dort wirklich verhältnismäßig wenig los war. Weil Bernd und ich etwas unsere Ruhe haben wollten, parkten wir aber nicht oben auf der Klippe mit Meerblick, sondern unten mit Blick in dem Wald. Hier war es angenehm windstill. Schnell wurden die Stühle und der Tisch rausgestellt und ich machte es mir mit einer heißen Zitrone in der Sonne gemütlich. Ich war seit zwei Tagen unglaublich erkältet, was aber auch kein Wunder war, denn auf der Finca lebten ja unsere Zwillinge, die sich,seitdem sie in den Kindergarten gingen im Dauererkältungszustand befanden. Bernd indess wollte einen Strandspaziergang machen, kam aber nicht weit, denn gegenüber war stand ein ausgebauter Tourenbus und der Mann, der an diesem rumbastelte, begrüßte Bernd mit einem fröhlichen “ Moin“. Die beiden fingen an zu quatschen, während ich langsam auf meinem Liegestuhl in das Reich der Träume glitt. Nach 1,5 Stunden war ich wieder wach und Bernd wieder da. Auf meine Frage, wie es am Strand gewesen war, meinte er, er wäre noch nicht dort gewesen, weil er sich so gut unterhalten hätte. Jetzt aber wollte er gehen. Daraus wurde vorerst aber auch nichts, denn Simona, die wir bis dato gar nicht kannten, kam mit ihrem Hund aus dem Wald. Sie war von oben bis unten tätowiert und sagte, dass sie die Cousine von Sebastian war. Sebastian war ein irre netter Typ, den Bernd hier einige Wochen zuvor schon kennen gelernt hatte. Wir unterhielten uns von Anfang an prächtig. Sie hatte gerade eine Knochenkrebsoperation überstanen und da ihr deshalb ein Knochen aus dem Oberschenkel entnommen –  und durch Titan ersetzt worden war,humpelte sie noch ein wenig. Sie war mir gleich sympathisch, hatte sie doch einen ähnlichen Gang wie ich. Die Ärzte hatten ihr gesagt, dass sie für immer im Rollstuhl sitzen müsste und sie war zu Recht stolz darauf, sie eines Besseren belehrt zu haben. Seitdem hatte sich ihre ganze Lebenseinstellung geändert und sie war dem Krebs sogar dankbar dafür. Sie war nun schon seit November hier und hatte im Dezember hier in Roche ihre große Liebe kennengelernt. Einen athletisch gebauten, braungebrannten 32 jährigen jungen Franzosen mit Sixpack, der mich irgendwie an Jesus erinnerte. Simona war 10 Jahre älter, aber das tat ihrer Liebe keinerlei Abbruch. Das alles und noch viel mehr erzählte sie frisch von der Leber weg . Die Sympathie war beidseitig und zwei Tage später stattete ich ihr einen Besuch ab. Sie wohnte mit ihrem Bulli Luftlinie nur 30 Meter weiter weg. Nun lernte auch ich ihren Cousin Basti kennen und fand auch ihn auf Anhieb supersympathisch. Simona war wirklich eine oberinteressante Frau, die ein Heidengeld verdiente, denn sie war, haltet euch fest, Domina. Sie hatte Stories auf Lager, die glaubt kein Mensch und ich musste mich immer wieder schütteln, mal vor Lachen und mal vor Ekel. Da ich zwischendurch immer mal wieder husten musste, erklärte ich jedem, dass ich wohl kein Corona , sondern nur eine fette Erkältung hätte. Irgendwie sahen es alle, außer Bastie ganz entspannt. Bastie aber zog sich bei jedem Nieser meinerseits seinen Pullover über seine Nase und wartete in dieser Stellung dann 5 Minuten. Zu diesem Zeitpunkt war Corona hier zwar schon ein Thema, aber irgendwie nahm es noch keiner so richtig erst, denn es gab mal gerade 800 bekannte Fälle in ganz Spanien. Das änderte sich aber rasant und wir alle hatten irgendwie ein sehr mulmiges Gefühl. Die Welt redete über Italien und voller Sorge sahen wir, dass hier die Infzierten Deutschland überholten. Auf einem Mal wurde Abstand gehalten. Zwar saßen wir noch immer beieinander, aber wirklich sehr weit auseinander. Alex, Sarah und die Kinder besuchten uns auch einmal, denn wir hatten uns mittlerweile 2 volle Tage nicht gesehen und wir verbrachten einen schönen Tag. Alex konnte schon wieder recht gut laufen, aber die Kinder hatten nun zusätzlich zur Erkältung eine Bindehautentzündung, die ich jetzt, wo ich es schreibe auch habe. War ja klar, oder? Vom 12.ten März auf den 13.ten, stieg die Zahl der Infizierten um fast 1000 und diese Zahl verdoppelte sich dann sogar noch am Folgetag. Mit Sorge hörten wir von anderen, dass die Strände von El Palmar und Conil geräumt und gesperrt worden waren. Hier aber führ nach wie vor 2 mal täglich die Polizei vorbei und grüßte nur freundlich. Damit war es dann aber am 15.ten März vorbei. Am späten Nachmittag, ich kam gerade vom Strand, kam die Guardia Civil mit drei Polizeiautos und verkündete mit Megaphonen, dass der Platz sofort geräumt wird. Zusätzlich streckten sie ihre mit Gummihandschuhen aus den Fenstern und machten eindeutige Bewegungen, so dass auch der, der kein Spanisch verstand, wusste was los war und sein Wohnmobil zur Abreise bereit machte. Ein deutsches Ehepaar, welches erst gestern angekommen war, fragte immer nur auf deutsch: Wohin??? Ich übersetzte und fragte die Polizisten, die mittlerweile ausgestiegen waren und im Kreis mit gehörigem Abstand zusammenstanden. Diese waren wirklich sehr freundlich, sagten, dass es ihnen sehr leid täte, es aber das Beste wäre, wenn jeder sich in sein Heimatland aufmacht. Es dauerte keine 10 Minuten, da rollte auch das letzte Gefährt vom Platz und wir alle wussten, jetzt wird es ernst. Unterwegs war es gespenstisch, denn wir sahen auf der 35 Kilometer langen Strecke, zurück zu Sarah und Alex mal gerade ein einziges Auto. Jetzt herrschte hier Ausgangssperre und alle schienen sich daran zu halten. Es war irgendwie surreal und ich kam mir vor, wie in einem schlechten Tele 5 Katastrophenfilm. Mittlerweile hatte ich richtig Angst und mein blöder Husten wurde auch immer schlimmer.

26.03.219 Auf der Finca

Mittlerweile sind wieder einige Tage vergangen und die Lage hier in Spanien spitzt sich zu. Stand heute 50000 Infizierte und mittlerweile 3700 Tote. Die Krankenhäuser sind völlig überlastet und kurz vorm Kollaps. Bernd und ich überlegen ständig, ob es nicht doch besser wäre zurück nach Deutschland zu fahren,solange dies noch möglich ist. Dafür sprechen würde auf jeden Fall das bessere Gesundheitsystem. Auf der anderen Seite sind wir hier auf der Finca relativsicher, solange wir uns alle an die Regeln halten. Außerdem brauchen Alex und Sarah uns, denn nach wie vor kümmern wir uns fast täglich um die Zwillinge. Das blöde ist nur, dass die beiden seit Wochen irgendwelche Infekte haben und ich mich jedes Mal anstecke. So ist mein Husten noch immer nicht weg, meine Nase muss ich gefühlt 1000 Mal am Tag putzen, dazu kommen starke Halsschmerzen und Schluckbeschwerden. Vor 2 Wochen hatten die beiden dann eine Bindehautentzündung, die ich jetzt natürlich auch habe. Vorgestern ging es Tiago so richtig schlecht. Er wollte nicht mehr stehen und laufen und mit Mühe und Not hatte Sarah es tatsächlich geschafft einen Termin beim Kinderarzt zu bekommen. Dieser war sich nicht so ganz sicher, ob es sich eventuell um eine Blinddarmentzündung handelte und verwies ihn zur weiteren Untersuchung ins Krankenhaus nach Cadiz. Bernd passte unterdessen auf den kleinen Emilio auf, während ich im Bett lag, weil es mir auch nicht gut ging.  Im Krankenhaus bekam Tiago einen Mundschutz verpasst, was er er doof fand, die Eltern aber nicht, was ich merkwürdig fand.Bei der Untersuchung wurde dann festgestellt, dass es sich wohl nur um Blähungen handelte. Des weiteren kam aber heraus, dass er eine Kehlkopfentzündung hatte. Da hatte er sich wohl bei Emilio angesteckt, denn auch er hatte Husten gehabt und keine Stimme mehr. Tiago war auch total heiser. Na fabelhaft, alle Symtome trafen auch auf mich zu, also hatte ich mich vermutlich auch angesteckt. Allemal besser als Covid 19, aber trotzdem Scheiße.

Ansonsten dürfen wir hier das Grundstück nur noch zum Einkaufen verlassen und das auch nur allein. Alle haben Ausgangssperre und wer sich nicht daran hält wird zu saftigen Strafen verdonnert. Ich finde das aber ok. Wir haben es trotzdem gut, denn die Finca hier hat einen großen Garten und ist sehr weitläufig. Leid tun mir die Familien mit Kindern in Mietskasernen. Die Ausgangssperre war zuerst über einen Zeitraum von 14 Tagen anberaumt, ist aber jetzt auf 4 Wochen aufgestockt worden. Auch das finde ich gut, ist es doch nur zur Sicherheit von uns allen. Ansonsten macht mir diese Pandemie wirklich Angst. Wo soll das noch hingehen???? Wann ist ein Ende in Sicht??? Und wir wird das Leben danach????? Wahrscheinlich lange lange Zeit nicht wie vorher.

Liebe Leser, bleibt alle gesund und zuhause!!!!!!

Gestern habe ich mit meiner Freundin Veronica telefoniert, die möchte nichts mehr von Corona lesen, wahrscheinlich geht es euch auch so, darum wird mein nächster Bericht wieder etwas frühlicher. Bis dahin, alles Liebe.

Womo

Tarifa Februar 2020

Hallo ihr Lieben,

Meine Schreiberei lässt wirklich zu wünschen übrig. Ihr habt ja recht.

Bernd und ich hatten hier auf der Finca bei Sarah und Alex ganz gut zu tun. Mehrere Monate haben wir hier die Gartenarbeit übernommen und uns zusätzlich um die kleinen Racker Tiago und Emilio gekümmert. Die beiden können mitlerweile laufen und zwar permanent in verschiedene Richtungen. Seit einem Monat gehen sie nun in den Kindergarten.  Wenn Saragh sie dort abgibt, gibt es zuerst immer ein Mordsgeschrei, aber sie beruhigen sich schnell. Am Nachmittag gehe ich oft zum Spielplatz mit ihnen, oder sie drehen das Wohnmobil auf links.

Das Wetter war den gesammten Januar und Februar traumhaft. Zwischendurch waren wir mal in Medina Sedonia und Bernd hat dort in der Stadt etwas Musik gemacht. Dort sind wir auch gewandert und die Gegend ist der absolute Traum. Pünktlich zu Alex Miniskusoperation waren wir aber wieder hier auf der Finca, denn Sarah konnte Hilfe gebrauchen, zumal Alex an Krücken ging und wirklich nichts machen konnte. Sarah hatte also 3 um die sie sich kümmern musste und das hält ja kein Mensch auf lange Sicht aus, also waren wir zur Stelle. Letzte Woche mussten wir hier aber mal raus und da Alex nun langsam wieder laufen konnte, war das auch kein Problem. Wir machten unseren Saloon startklar und anstandslos setzte er sich in Bewegung. Unser Ziel war Tarifa, bzw. eine riesige Wiese 3,5 Kilometer davor. Hier standen sicher an die 80 Wohnmobile und es hätten ohne Schwierigkeiten hier noch 100 weitere Platz gefunden. Hier gab es ja sooo viel zu sehen und den ersten Tag genossen wir die Ruhe auf unserem schönen Platz. Am nächsten Tag machte Bernd die Räder bereit und wir fuhren in die Stadt. Unglaublich, welch ein Wind dort immer herrscht. Nach einem ausgedehnten Stadtbummel besuchten wir den Strand. Unzählige Kiteschirme verwandelten das Strandbild in eine farbenfrohe bunte Kulisse. Kein Wunder, herrschten hier doch die idealsten Bedingungen zum Kiten. Das Wetter war der Traum und der Wind angenehm warm. Per Facetime riefen meine Eltern an und während wir am Strand saßen und mindestens eine Stunde alle Neuigkeiten austauschten, holte Bernd sich einen mächtigen Sonnenbrand im Gesicht. Wieder zurück zum Wohnmobil, kochte ich uns etwas Schönes und danach klimperte Bernd noch etwas auf seiner Gitarre. Am nächsten Tag ging es dann abermals nach Tarifa. Diesmal die Gitarre im Gepäck. Bernd spielte dann 2 Stunden in einer Seitengasse, während ich diese unzählige Male auf und ab ging. Dann lernten wir noch einen netten Berliner kennen, der hier Urlaub machte und mit dem wir uns vor einer Bar angeregt unterhielten. Nun wurde es Zeit nach Hause zu fahren. Dabei wurden wir kurz hintereinander von zwei verschiedenen Musikern angehalten, die beide Bernds Gesang gehört hatten und uns einluden am Folgetag (Sonntag) zu einer Strandbar zu kommen.Dort fand  jeden Sonntag eine Jamsession statt. Natürlich waren wir Feuer und Flamme. Erst einmal ging es aber zurück zu unserer schönen Wiese. Wir schliefen herrlich und lange. Danach machte ich mich an die Vorbereitung für ein orpulentes Frühstück, denn Sarah, Alex und die Kinder wollten kommen, schließlich hatten wir uns schon drei Tage lang nicht gesehen. Damit die Kinder uns nicht vergaßen, hatte Sarah ein großes Foto von uns an den Kühlschrank geklebt, welches jetzt immer von den Kindern geküsst wird. Süß, oder?? Überhaupt sind die beiden ganz grosse Klasse und wir fragen uns schon jetzt, wie wir monatelang ohne die beiden klarkommen werden, denn Ende März geht es für 3 Monate zurück nach Deutschland. An den Besitzverhältnissen hat sich seit der Geburt der Beiden nichts verändert. Noch immer ist Tiago Bernds Liebling und Emilio meiner. Das lassen wir die beiden aber nicht anmerken. Sie widerum uns schon, denn Tiaogo rennt, wann immer er uns sieht zuerst zu Bernd und Emilio zu mir. Ach, die beiden sind echt toll, aber auch anstrengend. Man merkt doch, dass man keine 20 mehr ist und dass es gleich zwei sind.

Die 4 kamen pünktlich und brachten Brötchen und einen Tisch mit. Sogleich kletterte Emilio auf meinen Schoß und blieb dort fast 40 Minuten sitzen. Tiago sorgte dafür, dass die Kaffeetassen ein ums andere Mal überschwappten, denn er hatte eine diebische Freude daran, am Tisch zu wackeln. Wir verbrachten einen schönen Tag zusammen und später kochte ich uns aus Resten noch ein Mittagessen. Die Kinder zeigten sich von ihrer besten Seite und als Emilio quarkig wurde, nahm ich ihn mit ins Wohnmobil und zu mir ins Bett, wo er nach 10 Minuten einschlief. Sarah unterdessen hatte Tiago in die Kinderkarre gelegt, wo auch er anstandslos einpennte. Sofort wurde die Gunst der Stunde genutzt und Karten gespielt. Gegen halb 5 fuhren die vier dann wieder abund Bernd und ich machten uns auf den Weg zu der Musiksession.

Dort angekommen war noch nicht allzuviel los, aber das änderte sich schnell. Jede Menge hochbegabter Musiker waren anwesend und es war ein wirklicher Ohrenschmaus. Immer mehr Zuhörer fanden sich ein und tanzten begeistert mit. Auch Bernd durfte mitspielen und bekam mächtig Applaus. Das Video dazu haben wir jaa schon vor ein paar Tagen auf der Womo-cowboys Facebookseite reingesetzt und da könnt ihr einen kleinen Überblick über die Stimmung bekommen. Es war ein toller Tag und Abend und im stockdunklen machten wir uns auf den 3,5 Kilometer langen Rückweg. Kaum beim Womo angekommen, bemerkte Bernd, dass er seinen Verstärker bei der Bar vergessen hatte und machte sich sogleich auf den Weg abermals dorthin. In Rekordzeit war er wieder da. Wir ließen die Glotze noch etwas flattern und schliefen ziemlich spät ein. Leider nur bis um 8 Uhr, denn dann wurde es ziemlich turbulent auf unseren sonst so ruhigen Stellplatz. Ein Blick aus dem Fenster genügte und wir wussten, wer diese Aufruhr verursachte. Sage und schreibe 35 Polizisten waren angerückt und räumten nun mit Nachdruck den gesammten Platz. Jedes Autokennzeichen wurde notiert und jeder Fahrzeughalter musste seinen Pass vorzeigen. Wir verstanden nur, dass der Platz privado sei und es von nun an untersagt sei hier zu stehen und zwar für immer. So ein Scheiß, hatten wir uns doch gerade eingelebt und uns sauwohl gefühlt. Hier standen auch keine Verbotsschilder oder ähnliches. Nun ja, nützte nichts. Wir machten unseren Sallon startklar und machten uns mit wirklich schlechter Laune, unausgeschlafen und ohne Frühstück auf den Rückweg zur Finca, wo wir jetzt noch immer sind. Bernd baut seit gestern mit Alex ein Klettergerüst für die Kinder auf. Das wird sicher noch 2 Tage dauern. Bilder gibt es darum keine, wird aber bald nachgeholt.

Ich hoffe es geht euch allen gut und keiner hat sich den Coronavirus eingefangen.