Womo

In den Bergen von Casares Juli 2021

Langsam ging unser Wasservorrat im Wohnmobil zur Neige und so schön es hier am Strand auch war, wollten wir nun in die Berge und wandern.

Casares war unser Ziel. Ein wirklich wunderschönes weisses Dorf, nur 24 Kilometer landeinwärts entfernt von Estepona. In Null komma nix waren wir dort. Hier gab es einen tollen Stellplatz, der zudem kostenlos war und Wasser hatte.

Tausend Dank an Casares für diesen tollen „kostenlosen“ Stellplatz … und die haben für Ines sogar noch Fitnessgeräte aufgebaut! Muchas gracias!

Zuerst einmal wurde entsorgt und dann das Wohnmobil sauber gemacht. Mein Gott, so dreckig war es noch nie!! Der Platz am Strand hatte nämlich einen Nachteil, es staubte dort bei kräftigem Westwinden enorm (und den ganzen Tag und Abend fuhren hunderte Autos auf dem sandigen Platz an uns vorbei um zu dem PKW-Parkplatz unter uns an den Strand zu gelangen; und manche Idioten natürlich mit Vollgas durch den „Wüstensand“) und da wegen der Wärme immer alle Fenster und natürlich auch die Tür auf war, gab es keine Ritze, keinen Fleck, der nicht zugestaubt war. Schon auf der Fahrt fing ich an zu putzen und zu wienern und fluchte lautstark vor mich hin. Bernd wollte mir bei Ankunft in Caseres helfen, versprach er. Das hatte er dann aber schnell vergessen. Bei Ankunft auf dem Stellplatz entdeckte er nämlich sofort ein deutsches Wohnmobil. Übrigens das einzige welches hier, außer nun auch unseres, stand. Bernd suchte uns ein feines Plätzchen, stellte den Motor ab und verließ den Saloon.
Die nächsten 1,5 Stunden ward er dann nicht mehr gesehen. Mir lief unterdessen der Schweiß nur so vom Körper. Im Saloon waren es knackige 37 Grad. Ich war dann nach weiteren 1,5 Stunden fertig. Naja, sagen wir mal lieber, dass ich einigermaßen zufrieden war. Bernd der in dieser Beziehung immer ein Supertiming hat, kam just rein, als ich gerade die Putzsachen zurückstellte. (ist das nicht intelligent und gekonnt ? 🙂 )Er hatte sich in der Zwischenzeit schon so richtig mit dem Pärchen aus Berlin angefreundet. Natürlich wollte ich sie auch kennen lernen und begrüßte sie nun ebenfalls.
Die beiden waren um die 45 Jahre. Er gebürtiger Tunesier, seit 25 in Deutschland lebend und sie eine waschechte Berlinerin. Seit 8 Jahren verheiratet, keine Kinder, aber seit kurzem einen Kater, der total süß war und frei herumlaufen durfte. Er entfernte sich nie besonders weit vom Wohnmobil und war sehr zutraulich. Beide waren in Berlin als Psychologen tätig gewesen, hatten aber ihre Jobs geschmissen und lebten nun seit einem Jahr in ihrem selbstausgebauten Kastenwagen. Von dem war ich richtig begeistert. Die beiden hatten ihn wirklich total nach meinem Geschmack ausgebaut. Sie hießen übrigens Taha und Jeanin und waren absolut auf unserer Wellenlänge. Die beiden waren schön öfter hier gewesen und hatten sich in dieses wunderschöne Dorf verliebt. Sie waren auf der Suche nach einem kleinen Haus im Dorf, welches 2 Kilometer vom Stellplatz entfernt ist und auf das wir von hier aus einen tollen Blick hatten.

Besonders wenn es dunkel wurde und die Lichter von dort hell erstrahlten war es wunderschön anzusehen. Am Abend gesellten die 2 sich zu uns und da wir alle recht kommunikativ waren, gab es nicht mal für eine Sekunde Redepausen. Erst gegen 2 Uhr gingen wir ins Bett.

Am nächsten Tag, gleich nach dem Frühstück, so gegen 11 Uhr, machten Bernd und ich eine Wanderung. Taha, der ebenfalls sehr gerne wandert und ein Frühaufsteher ist, hatte seine schon hinter sich und gab uns tolle Tips. Jeanin, die Langschläferin ist, schlief noch und hat es nicht so mit Wandern.

Zuerst ging es Richtung Dorf und dann immer weiter in die Berge.

Hier war auf dem Hinweg eine offizielle Entnahmestelle für Wasserproben aus der Bergquelle!

Es ging stetig bergauf. Immer höher, immer weiter. Zwischendurch fragte Bernd, ob wir langsam umdrehen wollten, aber ich wollte ganz nach oben. Ich war so richtig in Form und wollte unbedingt mit der Aussicht von ganz oben belohnt werden. Natürlich war es irre heiß, aber wir hatten ja 2 Liter zu trinken mit. Ganz oben angekommen, hatten wir einen herrlichen Blick aufs Mittelmeer. Wir waren begeistert!!
(Leider haben wir keine Kamera mit Teleobjektiv (wer will die immer schleppen?) und auch kein iphone 12 pro, da mein 5 Jahre altes iphone SE immer noch wunderbar funktioniert; nur hat es natürlich nur eine normale Kamerafunktion. Ich bin halt ein Typ, der sehr auf „Nachhaltigkeit“ (Modewort) bedacht ist: Handy 6 Jahre alt, Fahrrad 31 Jahre, Gesangsmikrofon mehr als 50 Jahre, T-Shirts und andere Klamotten teilweise viele Jahre alt, etc, etc. … und mit nur 1 Frau schon 15 Jahre im Leben unterwegs)

Im Hintergrund, etwas rechts sieht man von hier sogar den Felsen von „Gibralta“.

Mein Gott, wie schön es hier war!! Wir suchten uns, unter dem einziegen Baum weit und breit, ein schattiges Plätzchen und pausierten eine Weile.

Ich liebe Bäume und spreche jeden Tag mit Ihnen … soweit ist es schon gekommen 🙂

Bernd, der auf sein Handy sah, war der Meinung, wir müssten nun nicht den selben Weg zurück gehen, sondern konnten über den nächsten Berg gehen und somit einen Rundwanderweg haben. Er meinte zwar, dass dieser Weg vielleicht nicht so kompfotabel sei, aber ich war sofort dabei, zumal er nur insgesammt einen Kilometer länger wäre, als wenn wir denselben Weg zurückgingen. Los ging es.

Erst einmal ein kleines Stück zurück, dann hoch auf den nächsten Berg. Bernd, wie immer ein gutes Stück vor mir her. Das dicke Ende, wie immer mit hochrotem Kopf und Schnappatmung, hinterher. Nahm denn diese Steigung gar kein Ende??? Gerade als ich dachte, ich kipp gleich tot um und schon Rauschen in den Ohren hatte, waren wir endlich oben. Hier wartete schon Bernd und hielt mir die Trinkflasche entgegen. Gierig ließ ich mir das kühle Nass die Kehle runterlaufen. Das tat ja soooo gut. Bernd ermahnte mich, nur kleine Schlucke zu nehmen und vorher die Flüssigkeit im Mund hin und her zu bewegen. Der Grund war, dass wir von den 2 Litern, nur noch einen halben Liter übrig hatten und wir ja noch allerhand vor uns hatten. Weiter ging es.
Jetzt kurz mal abwärts, aber dann immer und immer wieder hoch. Halleleuja, es müsste doch langsam mal runter gehen. Ich ahnte schon, dass der Abstieg steil werden würde, denn wir hatten nur noch 2, 5 Kilometer bis zum Stellplatz und wir waren noch immer ganz oben. Hinter der nächsten Biegung ging es dann auch schon los. Heidewitzka!! Ein Albtraum!! Alles voller Geröll und Felsen.

Vorsichtig setzte ich ein Fuß vor den anderen. Meine Stöcker waren mir nun gar keine Hilfe mehr. Immer wieder kam ich ins Rutschen und schon nach kurzer Zeit wackelten meine Beine bis zum“ geht nicht mehr“. Bernd gab mir seine Hand und ich klammerte mich an ihm fest. So gingen wir dann einige Höhenmeter abwärts. Bernd immer rückwärts gehend und mich haltend. Das war natürlich auch für ihn megaanstrengend, zumal er ja noch immer gesundheitlich etwas angeschlagen war (es war Tag 6). Irgendwann wurde es dann so eng und so steil, dass Bernd mir auch nicht mehr helfen konnte. Angstschweiß tropfte mir immer wieder in die Augen und ich hatte sooo einen Durst. Bernd teilte das Trinken aber streng ein. Wobei er mir immer viel mehr zugestand, als sich selbst (er selbst nahm nur einen kleinen Schluck). So ein lieber Kerl! Meine Füße knickten in meinen Schuhen hin und her. Mittlerweile lief ich wirklich fast nur noch auf den Außenseiten meiner Knöchel und hatte bei jedem Schritt unsagbare Schmerzen. Nun wurde es noch steiler und gerölliger und ich „wanderte“ auf dem Hintern weiter.

Mit den Händen suchte ich Halt an größeren Steinen. Himmel, waren die alle heiß!! Ich war überzeugt Brandblasen zu bekommen. Zu allem Überfluss wuchs überall pieksender Ilex und außerdem war dann auch noch alles voller Tannennadeln. Diese blieben in meinem Hintern und meinen Händen stecken.
(Für zukünftige Wanderungen werde ich für Ines wohl eine Ganzkörperschutzbekleidung besorgen müssen. Diese könnte wie folgt aussehen: 1. eine kurze bayrische Lederhose für den PO, 2. Knieschützer aus dem Inlinerbereich, 3. Schutzhandschuhe, 4. ein paar Schuhe zum Wechseln. … sobald ich alles zusammen habe, werde ich dann mal ein Foto von Ines im „full-body-safe-modus“ machen. )

Meine Hände tun mir heute, eine Woche später, noch weh und für die Landschaft hatte ich schon lange keinen Blick mehr.

Casares kommt wieder in Sichtweite … tief unter uns

Kurz gesagt, ich war den Tränen nahe und völlig fertig. “ Ich kann nicht mehr“, jammerte ich verzweifelt. Bernd war mittlerweile ebenfalls verzweifelt, denn helfen konnte er mir nicht mehr und er war auch fix und fertig. (Ja, zu diesem Zeitpunkt hat meine Ines auch mir richtig leid getan und ich hatte echt Angst um sie. Wird sie durchhalten? Wo bekomme ich jetzt ein Maultier her, um sie hier runter zu holen? Ein Hubschrauber könnte hier auch nirgends landen … also war ich alleine auf mich gestellt um sie zu retten! )

Und es ging laut Handy noch 600 Meter so weiter und zum Schluss dann noch einen Kilometer die Strasse, die dann allerdings wieder aufwärts führt ,bis hin zu unserem Platz. 600 Meter klingt jetzt vielleicht nicht viel, aber auf dem Hintern ist es eine mordsmäßige Strecke. Man muss immer wieder Halt suchen, damit man nicht ins Rutschen kommt und den ganzen Abhang runtersaust und so kommt man wirklich nur sehr langsam voran.

Bernd machte dann den Vorschlag, dass er alleine vorgehen wollte um mein e- bike zu holen. Dann müsste ich jedenfalls den letzten Kilometer nicht mehr bergauf zum Stellplatz laufen. “ Lass mich nicht allein!!!“ wimmerte ich zuerst, aber nach weiteren 100 Metern, für die ich eine viertel Stunde brauchte und Zeit hatte, über den Vorschlag nach zudenken, war ich einverstanden. Bernd überließ mir den allerletzten Schluck Wasser und mich meinem Schicksal und war kurze Zeit später nicht mehr zu sehen. (Dieser blog-Bericht klingt bei Ines, wie auch andere spannende Schilderungen von Wanderungen, wie die Besteigung des Mount Everest !? Aber klar, wenn wir hier ca. 6 h für ca. 12 km brauchen, scheint es der Mount Everest gewesen zu sein. 🙂 )

Ich kämpfte mich weiter, Stück für Stück, nach unten. Einmal war es zwischendurch nicht gar so steil und ich stellte mich auf die Beine. Diese zitterten aber so sehr und mittlerweile auch meine Arme, die schliesslich auch Schwerstarbeit verrichtet hatten, das ich mein geschundenes Hinterteil wieder auf den Boden plumpsen ließ. Also ging es auf diesem Weg weiter. Meine Nordicwalking Stöcke schmiss ich immer 2 Meter vor mir her und rutschte und kletterte ihnen wieder hinterher. Immer tunlichst darauf bedacht, dass sie nicht links oder rechts den Abhang runtersausten. Mir tat wirklich alles weh, aber am allerschlimmsten war der Durst. Meter um Meter ging es abwärts und damit ich mich nicht verrutschte, hatte Bernd auf seinem Weg Zeichen für mich hinterlassen. Ohne Pause machte ich weiter und nach einer dreiviertel Stunde, in denen ich tatsächlich 400 Meter zurückgelegt hatte, hörte ich Bernd rufen.
Juchhuuuu, mein Held und Retter war wieder da!!! Das muss doch Liebe sein, denn wenn er mich hätte loswerden wollen, wäre das die Beste Gelegenheit gewesen. Ich wäre jämmerlich verdurstet!! Bernd brachte eine große Flasche Cola-Wassergemisch mit. Nie im Leben hatte ich etwas besseres getrunken. Ich setzte die Flasche an und trank auf ex einen halben Liter. Schokolade hatte er auch mitgebracht, aber die wollte ich nicht, denn mir war kotzübel. Ich glaube das lag an der Überanstrengung.
Nun ging es weiter, genau wie vorher und dann endlich endlich, waren wir unten und dort stand mein e-bike. Welch ein wundervoller Anblick!! Während der arme Bernd den letzten Kilometer zum Stellplatz noch einmal hochlaufen musste, gelang es mir beim dritten Versuch aufs Fahrrad zu kommen. Mein Gott, waren meine Beine schlapp. Ich stellte den Motor auf vollen Antrieb und war dann ruckzuck beim Wohnmobil. Dort trank ich dann noch einen halben Liter. Vorsichtig zog ich meine Schuhe aus. Meine Knöchel waren dermaßen dick geschwollen, dass es aussah, als hätte ich mir Schwimmärmel um die Füße gebunden. Meine Schuhe, die vom Schuhmacher mit Abrollhilfen auf Rezept versehen worden waren, ohne die ich aufgeschmissen bin, waren komplett hinüber. Ebenso die Einlagen. Alles war total platt gelatscht und sie landeten im Müll.

Bei dem Foto (natürlich auch wieder mit Cola-Flasche ???!) könnt ihr Euch vorstellen, mit welch abgeknickter Fußstellung Ines unterwegs war. Allein bei diesem Foto bekomme ich schon Schmerzen. „Scheiß Gehbehinderung“!! Hut ab für meine Ines, aber eins ist ab jetzt auch klar: 1. auf „normalen Wegen/Strassen werden wir maximal 10-12 km pro Tag wandern und 2. falls ein unbekannter Weg zu steil, geröllig und gefährlich wird, werde ich ihn kurz weiter erkunden und dann notfalls entscheiden, dass wir zurück und nicht weiter gehen. Mann (Bernd) erkennt auf google-maps ja nicht die Beschaffenheit und Steilheit von ausgelatschten Wanderwegen.

Was für ein Verlust!!! Zum Glück habe ich noch ein Paar. Diese sind aber längst nicht so bequem und auch noch nicht eingelaufen. Und ein zweites Paar Einlagen habe ich auch. Wie gut, dass ich mir seinerzeit 2 Paar organisiert habe. Damit muss ich jetzt sehr pfleglich umgehen, denn wir kommen erst in einem Jahr wieder nach Deutschland, wo der Chef von Schuhhaus Janssen in Westerstede, als einziger in der Lage ist, mir Schuhe so zu preparieren, dass ich damit einigermaßen vernünftig laufen kann. Kurze Zeit später kam auch der ebenfalls total erschöpfte Bernd an. Gemeinsam betrauerten wir meine Schuhe und dann machten wir lange Zeit erst einmal gar nichts mehr.

Liebe Leser, ich hoffe es geht euch gut und ihr seid in Deutschland nicht vom Hochwasser betroffen. Die Bilder die wir aus dem Fernseher bekommen sind ja furchtbar.

Liebe Grüße von Bernd und mir.

Der nächste Tag fing nicht so toll an, denn ich hatte die ganze Nachte kein Auge zugetan. Dabei war ich totmüde gewesen, aber ein Stechen, als wenn Glasscherben von innen versuchen würden sich von innen durch meinen Spann am Fuß zu bohren, hinterten mich am Schlaf. Alle 4 Sekunden bekam ich dieses Stechen und heulte jedes Mal auf. Für den armen Bernd war das auch nicht so toll, denn bei dem Gejaule konnte er natürlich auch nicht schlafen. Immer wieder stand ich auf, trug Schmerzsalbe auf, wartete ein wenig und legte mich wieder hin. Es nützte rein gar nichts und ich stand wieder auf. Dann googelte ich was es sein könnte. Zum Schluss war ich mir ziemlich sicher, dass es Morton Neurom ist und wahrscheinlich operiert werden muss. Jedenfalls kam die Beschreibung meinen Schmerzen sehr nahe. Also, wenn ich nächstes Jahr wieder in Deutschland bin, muss ich dort unbedingt zum Arzt. In den letzten 3 Jahren hatte ich diesen Schmerz schon 3 Mal gehabt, aber mit den Schmerzsalben ebbte er ab. Dieses Mal brachte die Salbe aber nichts und ich schmiss mir 2 Iboprophen rein. Brachte aber auch nichts. Erst am nächsten Morgen gegen 10 Uhr verschwand der Schmerz. Den ganzen Tag war ich echt gerädert, schlafen ging aber nicht, weil ich ja zusätzlich Restless legs habe, welches sich immer einstellt, wenn ich einschlafen will und Schlaf so unmöglich macht. Dagegen gibt es zum Glück Tabletten, wovon ich mir abends eine einverleibe und dann in ein 4 stündiges Koma falle. Am Tag wollte ich aber keine Tablette nehmen, weil dann mein Rythmus durcheinander kommt. Also Augen zu und durch.

Wir spazierten die 2,5 Km nach Casares und beschlossen dort etwas zu essen. Bernd bestellte Carne en salsa, was unserem Gulasch ähnelt und ich eine große Pommes mit viel Mayo. Lecker!! Wir hatten ein feines Plätzchen ergattert, draußen vor dem Lokal, welches sehr gut besucht war. Der Kellner/Chef war ganz alleine und war mächtig im Stress. Am liebsten hätte ich ihm etwas geholfen. Tische abräumen, Getränke wegbringen usw. Ich ließ es dann aber doch lieber bleiben. Trotzdem so viel Stress war, war der Kellner sehr nett, was mich beim Bezahlen veranlasste, ihn zu fragen, ob man hier auf der Plaza Musik machen könnte. Bernd hatte ewig nicht mehr gespielt und wollte eigentlich auch gar nicht. Der Kellner aber war ganz angetan und sagte begeistert. Claro!!! Ich fragte daraufhin, ob es denn seitens der Polizei erlaubt wäre und er meinte, das wäre überhaupt kein Problem. Prima, dann wusste ich ja schon, was Bernd morgen machen würde. Ich liebe es, wenn Bernd Musik macht und freute mich schon sehr auf morgen. Bernd ließ sich aber erst einmal nicht überreden.
Wir bummelten noch ein bißchen durch den schönen Ort und gingen dann zurück. Mein Fuß machte keine Probleme mehr und ich war mehr als froh. Von der gestriegen Wanderung waren beide Füße zwar noch ordentlich geschwollen, aber das war mir egal und dieser Schmerz super auszuhalten. Die neuen Schuhe drückten auch viel weniger als erwartet und erleichtert stellte ich, wieder zu Hause fest, dass ich mir keine Blase gelaufen hatte.
Klasse, dann konnte ich ja noch eine Runde Sport auf den Fitnessgeräten, die auf dem Stellplatz installiert waren, machen. Vorbei die Zeit, wo meine Sporthose Bewegung nur in/von der Waschmaschine kannte. In letzter Zeit war ich wirklich hochmotiviert und hatte eine richtig gute Kondition bekommen. Naja, nur für meine Verhälnisse halt. Bernd machte natürlich nicht mit, war aber beim anschließenden Srabble spielen dabei, wo er das sechste Mal in Folge verlor. Der Arme!! Nun war der Tag auch schon wieder um und ich nahm meine Restless-legs-Tablette und verzog mich schon mal ins Bett. Ich war wirklich totmüde. Die Tablette begann zu wirken und ich fiel in einen tiefen Schlaf, aus dem ich aber bereits eine Stunde später unsanft wieder gerissen wurde. Das Stechen auf dem Spann war wieder da. Ich war total frustriert und hatte auch Bernds ganzes Mitgefühl. Damit jedenfalls er schlafen konnte, verließ ich das Schlafzimmer und schrieb Blog, spielte Karten und jaulte etwas vor mich hin. Zweimal in dieser Nacht legte ich mich kurz zu Bernd und versuchte abermals einzuschlafen. Keine Chance!!!

Und so war ich froh, als es endlich morgen wurde und Bernd aufstand. Dieser frühstückte dann und suchte dann doch tatsächlich seine Musiksachen zusammen. So ganz ohne Überredungen von meiner Seite. Er hatte anscheinend großes Mitleid mit mir und wollte mir eine Freude machen. Sagte ich schon, dass ich es liebe, wenn Bernd Musik macht??

Meine Müdigkeit war wie weggeblasen und als Bernd alle Musiksachen auf unsere Fahrräder verstaut hatte , ging es auch schon los. Ruck zuck waren wir auf der Plaza und Bernd baute alles auf. 10 Minuten später war er startklar und spielte den ersten Song. Die beiden Lokale auf der Plaza waren gut besucht, aber sonst war eigentlich nicht viel los. Nun ja, ist halt eine kleine Stadt mit dörflichem Character und wegen Corona waren nicht allzu viele Touristen da. Die, die da waren, waren wegen des warmen Wetters, wir hatten heute 36 Grad,wahrscheinlich teilweise zum Strand gefahren. Aber das machte nichts. Bernd war großartig!! Und bereits beim dritten Lied hatte er das Publikum in seinen Bann. Er unterhielt die Leute abwechselnd in 3 Sprachen und hatte in jeder Sprache einen lustigen Spruch auf den Lippen. Die Stimmung war toll, das Wetter war schön, was will man mehr?? Auch in mir machte sich Urlaubsfeeling breit und lautstark sang ich fast jedes Lied mit. Mein Stechen im Fuß hatte aufgehört und ich hatte Superlaune. Die Leute klatschten im Takt mit und pilgerten zu Bernd Gitarrentasche, die vor ihm auf den Boden lag und schmissen großzügig Geld hinein. Nach einer Stunde machte Bernd eine kurze Pause, gesellte sich zu mir und trank ein Bier, welches ihm irgend jemand ausgegeben hatte. Ich machte ihn darauf aufmerksam, dass ein Polizist im Anmarsch war. Bernd sagte aber nur;“ Na und?“ Der Polizist verschwand genauso schnell wieder, wie er gekommen war und Bernd machte sich wieder ans Werk. Nach einer weiteren Stunde allerdings kam der Polizist wieder und zwar mit einem zweiten als Verstärkung. Beide gingen zu Bernd und ich ebenfalls, denn 4 Ohren verstehen mehr als zwei. Die Polizisten erklärten, dass es verboten wäre hier ohne Genehmigung (permiso) zu spielen und er eine selbige bräuchte. Wir entschuldigten und und sagten, dass wir morgen eine beim Rathaus (Ayuntamiento) besorgen würden. Die Polizisten waren zufrieden und dackelten ab und Bernd packte seine Sachen zusammen und verstaute sie abermals auf unsere Räder. Er unterhielt sich noch mit zwei spanischen Fans, als plötzlich der Wirt von dem zweiten kleinen Lokal kam, bei dem wir nicht gegessen hatten und der nur 5 Tische draußen stehen hatte, zu uns kam. Er fragte, ob Bernd Freitag abend um 21 Uhr 30 noch einmal auf der Plaza spielen könnte. Wir erklärten ihm, dass Bernd eine Genehmigung bräuchte, aber nicht wusste, ob er sie auch bekommen würde. Der Wirt sagte, das wäre kein Problem, er würde eine für Freitag organisieren. Bernd hatte das Musikmachen sichtlich gefallen und er sagte freudig gestimmt zu. Wir verabschiedeten uns und machten uns auf den Rückweg. Da die Straße zuerst steil hoch ging, schoben wir unsere Räder. Als wir an dem größeren Lokal vorbeikamen, standen alle Gäste auf und applaudierten lautstark . Das war echt toll und ich hatte fast Tränen in den Augen. Bernd erging es ähnlich und er rief immer wieder mit breiten Lächeln:

Gracias, Gracias!!!

Leider gibt es keine Fotos von der Musiksession in Casares … Ines war wohl so begeistert, dass sie keine gemacht hat und ich … hatte beide Hände an der Gitarre 🙂

Dann ging es nach Hause, bzw. zu unserem Stellplatz zurück.

Wir scrabbleten noch und ich machte einen außerordentlich leckeren Sommer- Hühner- Eintopf mit Apfeln, Pflaumen und Birnen. Bernd war total begeistert und da bei ihm Liebe durch den Magen geht, hatte ich super Karten.

Nun ging es ins Bett und mir graute schon vor der Nacht. (?? Oh Mann, so schlecht bin ich doch gar nicht ?! … ach so, jetzt verstehe ich den Satz… es graute ihr vor den zu erwartenden Fußschmerzen) Tatsächlich ließ mich der Schmerz aber in Ruhe und ich schlief sagenhafte 7 Stunden (für mich eine Sensation) durch. Auch die folgende Nacht war schmerzfrei. Zum Glück!!

Am nächsten Tag machten wir wieder eine tolle Wanderung.

Dies war früher einmal ein Friedhof (cementerio) … ein imposanter Platz und imposantes Gebilde
Alle „Liegeplätze“ sind leer … wie in Spanien üblich werden/wurden die Leichname hier quasi eingemauert.

Die Landschaft raubte uns teilweise den Atem vor lauter Schönheit.

Und obwohl wir nur auf befestigten Wegen laufen wollten, führte uns der Weg dann doch wieder über Felsen und Geröll.

Dieses Mal aber nicht solange und ich kam gut klar. Ganz ohne „Popo-wandern“ ging es aber nicht.

Das sind bestimmt Schokoladen-Bohnen , oder ??? Da müssen wir mal die Profis vom „Schokoladenhotel Voss in Westerstede“ fragen !!!!

Glücklich und erschöpft kamen wir wieder zuhause an.

Da es sehr heiß war, beschlossen wir am nächsten Tag noch einmal auf den schönen staubigen Platz ans Meer zu fahren. Ich wollte unbedingt mal wieder ins Wasser. So wurde es dann auch gemacht. Während Bernd noch entsorgte und Wasser auffüllte, lief ich schon los und er sammelte mich 4 Kilometer weiter wieder ein. (zum Glück gab es nur eine Landstrasse bergab Richtung Meer und Ines konnte sich unmöglich verlaufen; aber ich war trotzdem sehr erleichtert, als ich sie aus der Ferne schon erblickte 🙂 … ich liebe sie halt sehr !!!) So hatte ich mich schon etwas bewegt und ein gutes Gefühl.

Auf dem Parkplatz am Meer fanden wir einen tollen Platz, der nicht gar so staubig war. Allerdings hatte einer gleich neben uns, seinen Hausstand hier hingestellt. Etliche Gallonen mit Wasser, eine Spülschüssel, Handtücher, Stühle und noch allerlei Ramsch standen zwischen den Bäumen rum.

Unsere Duschzone mit Handtuchservice 🙂 🙂

Wie wir später feststellten, gehörte alles einem Engländer, der hier anscheinend schon seit langer Zeit mit seinem Wohnmobil stand und sich zusätzlichen Platz geschaffen hatte. Sein Wohnmobil hatte er allerdings etwas weiter weg geparkt. Scheinbar wollte er nicht mit dem Saustall in Verbindung gebracht werden. Er kam aber 3 Mal täglich und wusch dort ab und hielt sich dort auch auf.

Wir trafen auch Taha und Jeanin wieder, die uns freudestrahlend berichteten, dass sie ein Haus in Carares gefunden hatten. Wir gratulierten und freuten uns mit den beiden.

Nun endlich ging es ins Meer.

Oh, war das herrlich erfrischend!!! Bernd schwamm 15 Minuten und ich eine geschlagene Stunde.

Wieder beim Wohnmobil kam ein Eiswagen und Bernd genehmigte uns ein Eis. Ich gleich 2, schliesslich hatte ich mich ja viel mehr bewegt als er. Das Eis war unglaublich lecker und am nächsten Tag gönnten wir uns diesen Luxus abermals. Bernd eins und ich wieder 2 Stück 😉
Schwimmen ging heute aber nicht. Zwar war es warm und die Wellen klein, aber es war kein Mensch im Wasser. Ich fand das etwas befremdlich, wollte mich aber trotzdem ins Meer stürzen. In ging 2 Meter hinein und dann war mir klar, warum kein Mensch im Wasser war. Alles war voller Feuerquallen. Wirklich tausende!!
Schnell ging ich wieder an Land.

Am nächsten Tag war der Spuk vorbei und das Wasser, welches vorher gefühlt auf 21 Grad aufgeheizt worden war, wieder auf 14 Grad gesunken. Keine Ahnung woher solch kalte Strömungen kamen. Ich fands herrlich, verbraucht man doch beim Schwimmen im kalten Wasser viel mehr Kalorien , als im warmen und hielt 45 Minuten durch. Als ich wieder zurück zum Saloon kam, lief der Schweiß nur so an Bernd hinunter. Er hatte das Wohnmobil schon abfahrbereit gemacht, denn wir wollten zurück nach Casares. Schließlich sollte Bernd da ja noch einmal spielen. Ich überredete ihn, sich auch noch mal in die Fluten zu begeben, was er auch tat. Allerdings hätte er nie mit dieser Kälte gerechnet und war nach exakt 5 Minuten wieder draußen.
So ein Weichei! 😉

Womo

Wieder unterwegs mit unserem Saloon und Bernd ist krank! Juli 2021

Am Montag machten wir den Saloon startklar und rollten von El Soto davon. Es ging Richtung Mittelmeer. Zuvor machten wir noch einen Großeinkauf und waren danach recht verzweifelt, weil unser erst 2 Jahre alter Kühlschrank mal wieder Maleschen machte. Das einzige was mit null Grad relativ kühl war, war das Gefrierfach. Der Kühlschrank selbst hatte 22 Grad. Mann, und er war randvoll!! Scheißding!! Wir sortierten soviel wie möglich ins Gefriefach und aktivierten unsere Kühlbox. Dank des ganzen Solars auf dem Dach kamen wir mit dem Stromverbrauch der Box „Gott sei Dank“ sehr gut zurecht.

Am nächsten Tag ging er dann wie durch Zauberhand wieder. Jedenfalls war er immerhin auf 12 Grad runtergekühlt. Wir fanden einen tollen Platz, direkt am Meer in Torre Guadiar, kurz vor Estepona. Hier durfte man frei mit dem Wohnmobil auf einem riesigen Sandplatz stehen und sogar Tisch und Stühle rausstellen. Das tat Bernd auch sogleich. Übrigens das einzige was er tat, denn er hatte Männerschnupfen und auch noch Husten. Die nächsten 3 Tage verschlief er mehr oder weniger und ich amüsierte mich allein. Da es wirklich sehr warm war, ging ich ersteinmal runter zum Meer und stürtzte mich in die Fluten. Mein Gott, war das kalt. Der Atlantik in Conil war entschieden wärmer und hatte sicher 20 Grad. Das Mittelmeer hier mal gerade 14. Trotzdem hielt ich eine Stunde durch und rechnete dabei stetig meinen Kalorienverbrauch aus. Danach duschte ich ausgiebig bei den Strandduschen. Welch ein Luxus. Total erfrischt und gut durchgekühlt sah ich dann nach Bernd. Der döste auf seinem Liegestuhl, denn im Saloon hatten wir 36 Grad. Ich machte ihm etwas zu essen und gab mir richtig Mühe. Das hätte ich mir sparen können, denn er schmeckte rein gar nichts. Das blieb auch während der nächsten 9 Tage so. Voll nervig!! Am siebten Tag hatte ich die Faxen dicke und Bernd durfte selber kochen. Ich bin wirklich alles, aber keine Krankenschwester. Das durfte ich mir dann auch stetig anhören. Ich selbst hatte auch eine Erkältung und kräftigen Husten, aber Bernd`s Erkältung, sorry sein „grippaler Infekt „war ja viel schlimmer. Schließlich hatte er ja zusätzlich Schnupfen und der war grün!! Oh Gott!!! Aus meiner Sicht, hatte ich deshalb nicht sonderlich Schnupfen, weil ich täglich im Meer war und dort Salzwasser durch meine Nase spülte. Überhaupt bin ich halt so erzogen, dass man nicht krank war. Wenn man dann doch mal etwas hatte und dieses mehr als einmal sagte, sagte meine Mutter immer, man solle sich doch ein Schild um den Hals hängen, wo es drauf steht, dann müsse man es nicht ständig wiederholen. Tja, das habe ich wohl sehr verinnerlicht, denn ich hätte Bernd gerne eigenhändig das Schild angefertigt, beschrieben und um den Hals gehängt. Übrigens dachte ich keinen Moment an Corona, sondern hatte unsere Klimaanlage in Verdacht. Diese hatten wir nämlich mal 2 Tage angeschmissen als wir am Strom waren, weil es so entsetztlich heiß im Saloon war.
Falls es doch Corona war?? Juchhu, dann haben wir es überlebt!! Vorsorglich hatten wir auch keinen Kontakt zur Aussenwelt. Man ist ja verantwortungsbewußt! Mittlerweile ist Bernd wieder einigermaßen genesen und liebt mich jetzt auch wieder. Ich ihn auch!!

Gestern war er sogar mit mir schwimmen und wir hatten einen tollen Tag am Strand. Wir waren tatsächlich den ganzen Tag dort. Ich glaube, dass war unser erster kompletter Strandtag, den wir in den 4 Jahren unseres Ausstiegs gemacht hatten. Damit wir nicht verbrannten, hatte Bernd unseren „Langnese-Sonnenschirm“ dort aufgestellt und wirt hatten uns dick Sonnencreme aufgetragen, denn die Sonne knallte ganz schön. Eigentlich bin ich nicht empfänglich für Sonnenbrände, aber ich habe in diesem Jahr schon das dritte Mal einen auf der Unterlippe. Das ist echt schmerzlich und ich klebe mir mit Sonnencreme oder Spucke immer Tempos oder Klopapier auf diese. Das sieht echt behumpst aus, aber was soll ich machen?? Schwimmen war ich deshalb dann mit Maske. Keine Ahnung, was die anderen Leute dachten. Die Maske habe ich dann aber irgendwie im Meer verloren. Auch keine wirklich gute Lösung.
Bernd hält sich, wann immer es geht, nur im Schatten auf, was ja auch sehr vernünftig ist, denn er ist durch seine hunderten von Muttermalen sehr Hautkrebs gefährdet.

So, die Krankenakte wird jetzt geschlossen und für uns geht es jetzt auf zu neuen Abenteuern nach Casares in die Berge, aber davon erzähle ich euch nächste Mal.

Womo

Große Geschäfte in El Soto Juli 2021

Hallo liebe Leser! Die nächsten 10 Wochen sind wir wieder mit unserem WoMo (SALOON) unterwegs. Da es wirklich sehr heiß war, wollten wir irgendwo ans Mittelmeer, denn dort kann man in der Regel besser schwimmen als im Atlantik.
Zuerst aber ging es mal wieder nach El Soto zu Sarah, denn die hatte sich den großen Zeh gebrochen und dabei tierische Schmerzen. Zwar hatte sie einen Spezialschuh verpasst bekommen, sollte aber den Fuß möglichst hochlegen. Das ging nicht so gut mit den beiden Kindern und so rief sie uns an, um zu fragen, ob wir uns für 3 Tage um sie kümmern könnten. Natürlich sagten wir spontan zu.
Gegen Mittag kamen wir an. Sarah hatte schon ihre Sachen gepackt und wollte mit ihren Internatsfreundinnen, die gerade zu Besuch bei ihr waren , in ihr Haus am Meer fahren, welches sie vor kurzem gekauft hatte. Die Kinder waren noch im Kindergarten und wir tranken noch schnell alle zusammen erfrischenden Eiskaffee. Nun wurde es Zeit , dass sie abfuhren, denn Gaya, die im Mobilheim auf Sarahs Finka wohnt, war schon unterwegs, um die Kinder abzuholen. Diese sollten Sarah auf keinen Fall mehr sehen, denn der Abschied würde bei Tiago zu einer 2 stündigen Heulattacke führen. Auf diese wollten Bernd und ich gerne verzichten.
Kaum waren alle mit Sarahs Wohnmobil vom Hof gerollt, kam auch schon Gaya. Die Kinder schliefen, vom Kindergarten total erschöpft, in ihren Kindersitzen. Zeit für uns noch schnell eine Runde zu scrabblen. Nach nur 30 Minuten waren die beiden aber schon wieder wach und wir brachen das Spiel ab. Emilio freute sich riesig und flog uns sofort in die Arme.

Ines und Emilio … ein Herz und eine Seele!

Tiago machte sich verzweifelt und heulend auf die Suche nach Sarah. Natürlich ohne Erfolg. Wir erklärten ihm, dass sie krank sei und im Haus am Meer schlafen müsse, bis sie wieder gesund ist. Naja, nach einer halben Stunde Gebrüll fand er sich damit ab und fragte in den nächsten Tagen kein einziges Mal nach ihr.

Da strahlen sie um die Wette !!

Wir tobten mit den Kindern durch den Garten, ließen Drachen steigen, erkletterten – zig Mal den Sandberg, der hinten im Garten aufgeschüttet – und für den Bau eines Swimmingpools vorgesehen war. Zudem wurde Bernd als Trampolin benutzt, was für sein Bauchmuskeltraining sehr förderlich war.

Wow, da habe ich doch anscheinend mal wieder volles Haar, oder ??

Kurz gesagt, wir hatten mächtig Spass. Dann entdeckten die beiden unser Scrabblespiel und wollten auch spielen. Natürlich ließen wir sie, immer aufpassend, dass bloß kein Steinchen verloren ging. Während Tiago die Buchstaben wild durcheinander auf das Spielfeld platzierte, legte Emilio ordentlich in Reihe ein Stein neben den anderen. Auch daran kann man sehen, wie unterschiedlich die beiden sind.

Irgendwann machte ich uns allen etwas zu Essen. Wir fanden in Sarahs Kühlschrank Bratwurst und Pommes (natürlich 100 %ig öko !!?? 🙂 )und hatten damit 100 prozentig den Geschmack der zwei getroffen. Anschließend ging es in die Badewanne, denn sie waren mehr als dreckig. Sarah hat eine riesige Badewanne und die Kinder lieben es darin zu spielen. Ich ließ etwas Wasser rein und dann die Kinder. Die amüsierten sich dann dort alleine. Es war nicht soviel Wasser drin, dass etwas passieren könnte, trotzdem sahen wir alle 2 Minuten nach dem Rechten (und dem Linken !?). Als Bernd an der Reihe war, rief er, dass Tiago in die Wanne geschissen hatte!! Emilio guckte nämlich total entsetzt auf die Ködel, die oben schwammen und sagte ungefragt, dass das von Tiago käme. Während Bernd eine Suppenkelle holte, um die Ködel raus zu fischen, fragte ich noch einmal Tiago, wer es war. Der sagte dann: „Tiago neee, milo“. Was für 21/2-jährige übersetzt heißt: „Ich war es nicht, es war Emilio“. Dieser sah nur sehr verlegen zur Seite und stritt es auch nicht ab. Als die Ködel entsorgt waren, gingen Bernd und ich wieder hinaus.
2 Minuten später sah ich nach den beiden und bekam einen Lachkrampf. Ich rief Bernd zu, er solle unbedingt das Handy mitbringen um ein Foto zu machen. Beide waren aus der Wanne herausgeklettert, hatten ihre Töpfchen nebeneinander vor das Badezimmer gestellt und thronten nun darauf, während sie zeitgleich und mit roten Köpfen lautstark und angestrengt drückten. Ein Bild für die Götter.

Auch Bernd konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. Es dauerte geraume Zeit und die Ergebnisse konnten sich wahrlich sehen lassen. Beide waren mächtig stolz und ich fragte mich, wie so kleine Kinder solch große Geschäfte fabrizieren konnten. (für die treuen Leser: es gibt jeweils ein Foto von den gut gefüllten Töpfchen! Das möchte ich der Allgemeinheit aber nicht antun… !!! 🙂 )

Emilio der ja zuvor schon in die Badewanne ge A A t hatte, musste dann eine Stunde später tatsächlich noch einmal und wieder eine ordentliche Portion. Ich war wirklich sehr neidisch. Nun ging es wieder in die Wanne und Bernd säuberte die Töpfe.

Auch für einen ehemaligen „Entsorgungsfachmann“ keine leichte Aufgabe !

Nach einer weiteren halben Stunde fröhlichem Geplantsche wurden dann zum Schluss noch die Haare gewaschen. Tiago missfiel dieses hörbar . Nutzte ihm aber nichts, bei diesen konsequenten Gasteltern!! 🙂 Emilio ließ es anstandslos über sich ergehen. Nun hatten wir 2 saubere Kinder. Das sollte bis zum Schlafengehen auch so bleiben und darum ging es nicht mehr raus. Es war sowieso schon 22 Uhr.
Die beiden schlafen, wie es für Kinder in Spanien durchaus üblich ist, meist nicht vor 22 Uhr 30 ein. Dann ist es in der Regel etwas kühler. Während Bernd jetzt Feierabend machte und zum Wohnmobil ging, las ich den Kindern noch eine “ GUTE NACHT- Geschichte“ vor und sang dann so lange La Le Lu bis ich sicher war, dass beide schliefen. Dann schlich ich mich leise raus. Es dauerte keine 2 Minuten, da kam Emilio hinterher getrottet. Also noch einmal von vorne. Kurz gesagt, die Nacht war schrecklich. Die Kinder kennen es nicht alleine zu schlafen und so schlief ich halt bei ihnen. Emilio robbt aber im grossen „Ehe-Bett“ (?) die ganze Nacht von einer Seite zur anderen, so dass für mich an Schlaf überhaupt nicht zu denken war.
Ich war richtig froh, als um 7 Uhr die Nacht vorbei war und ich für die beiden Frühstück machen konnte. Dann wurden Zähne geputzt und nun kam auch schon Bernd fit und ausgeschlafen angestiefelt. Wir suchten gemeinsam nach Schuhen für die beiden und als wir endlich fündig wurden, ging es ab zum Auto.

Dort schnallten wir die Kinder in die Kindersitze fest, was eine Wissenschaft für sich ist und wir fuhren sie zum Kindergarten, von dem Gaya sie nachmittags wieder abholte. Der zweite Tag wiederholte sich quasi 1 zu 1, aber dieses Mal kackte keiner in die Wanne und Bernd schlief bei den beiden. Zwar bekam er auch mit, wie Emilio im Bett rumrobbte, aber ihn störte es nicht und alle begrüßten den Morgen m,it einem Lächeln.

Am Freitag dann wurden die Kinder nach dem Kindergarten von Gaya zu Alex gebracht, denn am Wochenende sind sie fast immer bei ihm. Da sein Auto aber ständig kaputt und in der Werkstatt ist, kann er die Kinder nicht abholen. Wir blieben derweil noch in El Soto, denn am Wochenende am Meer einen Platz fürs Wohnmobil zu finden ist nicht so einfach, weil ja Hauptsaison ist. Und ans Meer wollten wir unbedingt, denn langsam schafft uns die Hitze und eine Abkühlung würde uns sicher gut tun. Deshalb wollten wir erst am Montag los. Das war, wie sich herausstellte auch gut so, denn unterwegs hatte Gaya mit den Kindern eine Panne. Wie schon 3 Mal zuvor, ließ sich plötzlich und ohne Vorankündigung Sarahs Bulli nicht mehr lenken und sie konnte so natürlich nicht weiterfahren. Wie gut, dass bisher nie etwas passiert war. Auch heute ging es gut. Gaya rief bei Sarah an und diese dann bei uns. Sie war froh, dass wir noch da waren und erklärte Bernd, wo der Ersatzschlüssel für Gayas Auto lag. Gaya selbst war, wie immer ,wenn sie die Kinder abholt, mit Sarahs Bulli unterwegs. Bernd fand den Ersatzschlüssel und machte sich auf den Weg um Gaya abzuholen.

Eine Stunde später war Bernd wieder da und wir machten uns noch einen schönen Tag.

Womo

Besuch von Bernd und Tanja aus Westerstede

Anmerkung: Im folgenden Artikel nenne ich meinen Bruder Bernd = Bernd
und meinen lieben Mann Bernd = Bernado , damit es verständlicher wird.

Am 27.06 gegen 1 Uhr mittags trafen mein Bruder Bernd und Tanja bei uns ein. Sie hatten einen günstigen Flug nach Jerez ergattern können und brauchten demzufolge von dort nur 40 Kilometer mit ihrem Leihwagen, um zu uns zu kommen. Wir freuten uns riesig, hatten aber auch etwas Manschetten, weil wir den Auftrag bekommen hatten den beiden 2 Rennräder zu mieten. Das war hier aber nirgends möglich gewesen. Beide sind sehr sportbegeistert. Bei meinem Bruder ist das noch untertrieben. Er ist geradezu süchtig und hatte mir schon am Telefon gesagt, das er ohne Sport schlechte Laune bekommen würde. Dementsprechend ängstlich war ich, als ich ihm mitteilte, dass wir leider keine Räder bekommen hatten.
Erstaunlicherweise sah er es ganz locker, was vielleicht an dem selbstgemachten Eierpflaumencocktail lag, den wir den beiden zur Begrüßung kredenzten.

Die Grundlage für den selbstgemachten Cocktail …. einige der letzten Pflaumen (insgesamt hatten wir bestimmt über 1.000 an unserem Baum…. und zu 99,5% hat Ines die alle alleine vertilgt 🙂

Ein einziges Glas und es war einem, wie mein Vater sagen würde, schon wieder alles scheißegal. Die beiden waren begeistert von unserem Haus, Garten und Pool und auch mit dem Wetter hatten sie wirklich Glück. Es war lange nicht so heiß wie angesagt und blieb während der ganzen Woche bei 35 Grad, wobei es zumindest in den ersten 3 Tagen nachts noch ordentlich abkühlte.
Nachdem wir die leckeren, grandiosen Schnitzel gegessen hatten, die Bernado schon gestern gemacht hatte, machten wir uns auf zu unserem See. Seitdem ein Bademeister dort war, durfte man nicht mehr quer durchschwimmen, sondern musste eigentlich in dem mit Bojen abgesteckten Bereich bleiben. Wenn man allerdings im hinteren Teil gleich rechts rum schwamm, konnte er einen nicht sehen und man hatte den riesigen hinteren Teil des Sees für sich. Ich schwamm sofort los, Bernd und Tanja hinterher. Beide erst einmal , wie abgesprochen rechts herum. Tanja korrigierte dann und schwamm kraulenderweise mit Höllentempo geradeaus mitten durch den See. Ich rief ihr zu, dass sie rechts bleiben sollte, aber sie hörte mich nicht. Meinen Bruder sah ich gar nicht mehr. So schwamm ich alleine 20 Minuten. Zurück am Land, erwartete mich schon der Bademeister und wollte von mir wissen, wieviele noch im nicht abgesperrten Gewässer unterwegs waren. Ich sagte: solo uno, was heißt: nur einer. Der sprach daraufhin in sein Funkgerät und orderte das Motorboot, mit welchem meine Schwester und ich ja auch schon Bekanntschaft gemacht hatten. Dieses suchte dann den ganzen See ab und wurde natürlich auch fündig. Bernd und Tanja sollten sofort zurückschwimmen, was sie natürlich auch taten.
In den Folgetagen wurde von uns dann nur noch früh morgens geschwommen, wenn der Bademeister noch schlief. Eigentlich schwamm von nun an nur noch Tanja, denn mein Bruder hat irgendeine Seeallergie und war den restlichen ersten Tag ständig am niesen. Abends aßen wir dann gemütlich auf unserer Terasse mein überaus gelungenes Curry- Huhn indonesisch. Wir aßen alle viel zu viel und machten Pläne für den nächsten Tag.

29.06.

Natürlich waren Bernd und Tanja schon geraume Zeit vor uns wach und joggten ersteinmal 10 Kilometer und wenn Tanja nicht so nötig gemusst hätte, wären es sicher 15 geworden. Nachdem die beiden geduscht hatten, frühstückten wir ausgiebig und dann sollte es nach Arcos gehen. Da die beiden in atemberaubender Kondition waren, ging ich 7 Minuten vor ihnen los. Ich gab Gummi und so dauerte es tatsächlich 2, 5 Kilometer, bis mich alle eingeholt hatten. Mir grauste schon vor der Steigung, die jetzt anfing. Natürlich war ich in null komma nichts wieder die Letzte. Zum Glück musste dann Tanja wieder zur Toilette. Bernd und Bernado warteten auf sie, ich natürlich nicht. Mit hochrotem Kopf und schweißnass kämpfte ich mich den Berg hoch. Ohne Pause setzte ich kontinuierlich einen Fuß vor den anderen. Keinen Blick hatte ich für die Landschaft, sondern sah mich nur alle paar Schritte panisch um, ob sie mir schon auf den Fersen waren. Anscheinend war es aber ein größeres Geschäft seitens Tanja, denn ich sah sie den ganzen Weg nicht.

Ziel war die Aussichtsplattform, von der man einen unglaublichen Blick über die wunderschöne Landschaft hatte. Mit meiner Schwester hatte ich dort alleine (ohne Bernado) nie hingefunden und natürlich verlief ich mich auch jetzt. Wie gut, dass soviele Lokale geöffnet hatten, so fragte ich einen netten Kellner, der mir den Weg so erklärte, dass ich dort wirklich ankam. Kaum dort, kamen auch schon die anderen. Bernado war klitschenass und wechselte ersteinmal sein T-Shirt. Hier oben wehte ein herrlich frischer Wind und wir genossen den Ausblick. Nun wollten wir etwas trinken und gingen zurück, zu dem netten Kellner, der mir den Weg erklärt hatte. Wir bekamen ein nettes Plätzchen zugewiesen und beschlossen auch eine Kleinigkeit zu essen. Der Kellner war weltklasse! Lustig, freundlich und souverän. Wir fühlten uns hier pudelwohl, lachten viel und unterhielten uns blendent. Das Essen war auch lecker und so machten wir uns geraume Zeit später zufrieden und gestärkt auf den Rückweg, diesmal durch die Neustadt. Natürlich nicht, ohne nocheinmal irgendwo einzukehren und ein Bierchen zu schlabbern, denn die Wirkung des Weines ließ schon etwas nach.

Zurück Zuhause sprangen wir alle in den Pool. Ach war das herrlich erfrischend!!!!

Am Abend machte ich uns einen Thunfischsalat.

30.06.

Nachdem wir alle herrlich geschlafen hatten, Bernd und Tanja ihr morgentliches Fitnessprogramm durchgezogen hatten und wir ausgiebig gefrühstückt hatten, machten wir uns mit dem Leihauto auf nach Ronda. Das schönste weiße Dorf überhaupt. Schon die Landschaft unterwegs war ein Traum und bereits nach 45 Minuten waren wir dann schon dort. Ein Parkplatz war schnell gefunden und ich war total beeindruckt, denn mitten durch die Stadt führt eine immens hohe Brücke. (Dieses ist die Puente Nuevo = neue Brücke; obwohl sie nicht wirklich neu ist, sondern im 18. Jahrhundert in 43. jähriger Bauzeit erstellt wurde und eine 12om tiefe Schlucht in der Stadt überspannt). Der Ausblick von hier oben war einfach gigantisch und gar nicht zu beschreiben.

Für Bernado und mich war sofort klar, dass dies nicht unser letzter Besuch hier sein würde. Hier gab es unzählige Wanderwege mit so richtigen Höhenmetern. Kurz gesagt, hier war die Chance echt groß, dass ein oder andere Kilo zu verlieren. Wir schlenderten den halben Tag durch die Gassen und kehrten schließlich in einem Restaurant mit unglaublicher Aussicht und unglaublich unbequemen Stühlen ein.

Eine einsame Pferderkutsche wear unterwegs … aufgrund von Corona war in Ronda kaum Publikumsverkehr;
zu dieser Jahreszeit wäre es hier ansonsten proppevoll mit Touristen-

Besonders mein Bernado, der anstatt eines Hinterns ja nur verlängerte Oberschenkel hat, litt sehr. Aus diesem Grund wollten wir hier auf keinen Fall etwas essen. Rauchen durfte man hier auch nicht, also nichts für uns. Stattdessen wollten wir dann in El Santiscal, also in unserem Heimatdorf etwas essen.
Kaum wieder zuhause angekommen, machten wir uns chic und fuhren mit dem Auto zu dem Hotel, welches so wunderschön direkt an unserem See liegt.

Zuvor hatten wir dort telefonisch einen Tisch bestellt. Unsere Erwartungen waren groß, denn die Preise waren gesalzen. Wir setzten uns an einen Tisch und ein Kellner kam und wischte diesen ab. So sind ja die Coronabestimmungen und dem wäre auch nichts entgegenzusetzten, wenn der Lappen nicht so abartig gestunken hätte. Uns wurde richtig übel. Dann brachte uns ein wirklich lustloser Kellner die Speisekarte. Diese war auf spanisch, was etwas schwierig war, denn dass hatten Bernd und ich noch nicht gelernt.

Da war uns noch einigermassen zum Lachen … da waren die Speisen noch nicht da

Zudem gab es nur eine einzige Karte, was dazu führte, dass diese reihum ging und jeder mit google übersetzten musste. Auf meine Frage, ob es auch eine deutsche Karte geben würde, erntete ich nur ein unfreundliches nein. Ob wir denn jedenfalls noch eine Speisekarte mehr bekommen könnten, gab es nur ein Kopfschütteln. Ich war schon so richtig bedient und hätte am Liebsten das Lokal gewechselt. So dauerte es geraume Zeit, bis wir unser Essen ausgesucht hatten, zumal Bernd und Tanja noch eine Vorspeise auswählten. Der Kellner, der unsere Bestellung zuvor aufnehmen wollte, als wir, wegen der nur einen Karte, noch nicht fertig waren, bestrafte uns jetzt erst einmal und ließ weitere 15 Minuten vergehen. Tanja, die dann noch ein kleines Bier nachorderte, wartete 20 Minuten. Dann kam die Vorspeise. Was Tanja hatte, weiß ich gar nicht mehr, aber Bernd hatte Tintenfisch bestellt. Der war, wie Bernd schnell feststellt, ungenießbar. Nicht gesalzen, keine Beilagen und nur nach Paprikapulver schmeckend, den der Koch sehr großzügig 2 cm dick über alles gekippt hatte. Tanjas Essen schmeckte auch nicht und sie ließen fast alles über. Nun kam der Hauptgang. Tanjas Risotto gänzlich ungewürzt, Bernds Scampis in der Pfanne anscheinend ohne Fett gebraten, ohne Salz und ohne Knoblauchsoße und unsere Fischpfanne ebenfalls ungesalzen und der Fisch knochenhart, die Miesmuscheln total gubbelig und der restliche Fisch furztrocken. Ich winkte den Kellner heran und orderte Salz für alle. Dieses Mal war er schnell zurück. 2 kleine Minitütchen Salz, welches mal gerade für ein Ei gereicht hätte. Katastrophe. Ich hatte an diesem Tag noch nichts gegessen und mordmäßigen Hunger, also bestellte ich noch eine Portion Pommes dazu. Diese kam nach 25 Minuten, natürlich auch ohne Salz. Ich orderte sofort welches nach. Dieses kam aber nicht. Wir alle waren echt frustriert und immer noch hungrig, denn wir hatten kaum etwas von den Speisen angerührt. Nun kam abermals der Kellner, um abzuräumen. Ich fragte, ob der Chef da wäre, er bejahte und besaß die Frechheit zu fragen, ob irgendetwas nicht in Ordnung gewesen wäre. Darauf sagte ich ihm in fast perfektem spanisch, dass alles ganz große scheiße gewesen ist und das er nun auch die Pommes mitnehmen könnte, die jetzt kalt und immernoch ohne Salz waren. Außerdem wollten wir den Chef sprechen, blaffte ich hinterher. Er zuckte merklich zusammen und wollte abräumen. Ich überlegte schnell, dass es besser wäre alles stehen zu lassen, damit der Chef probieren konnte und so stellte der unfreundliche Kellner alles zurück auf den Tisch. Es dauerte eine Ewigkeit, dann kam ein junger Mann, welcher Deutsch sprach. Der Chef wäre nicht da, meinte er und was denn nicht in Ordnung gewesen wäre. So, ein Feigling von Chef!!! Mein Bruder Bernd, der uns schon vorweg gesagt hatte, dass man sehr unglaubwürdig wird, wenn man an allem etwas zu meckern hatte, nahm freundlich das Gespräch in die Hand. Tatsächlich erzählte er nur einen Bruchteil von dem, was alles schlecht war. Der, wie sich rausstellte Rezeptionist hörte sich alles an, entschuldigte sich und meinte dann, wir müssten das Essen nicht bezahlen. Mein Bruder daraufhin:“ Darum geht es gar nicht, natürlich zahlen wir“. Das durfte ja wohl nicht wahr sein, dachte ich und lautstark sagte ich, dass ich mein Essen auf keinen Fall zahlen wolle, mein Bernado war derselben Meinung und tat dies nun auch kund. Ich zählte noch einmal alles auf, was schief gelaufen war, von den unmotivierten Kellnern, den unfähigem Koch, dem stinkenden Lappen, den Frühstücksresten unter den Tischen und noch einiges mehr. Wieso sollte ich das Essen bezahlen`??? Wir hatten schließlich noch immer Hunger !!! Einen Gutschein wollte ich auch nicht! Dieser Laden würde mich nie wieder sehen. Mein Bernado sah es genauso. Tanja sagte gar nichts, was wahrscheinlich der Grund dafür war, dass später ihr Essen noch auf der Rechnung zu finden war. Unverständlicherweise auch die Vorspeise meines Brunders. Übrig blieben immer noch 53 Euro, weils halt ein teurer Schuppen war. Trinkgeld gab es keines und wir machten uns auf den Weg nach Hause , wo wir jede Menge Nutella-Brote vertilgten. Der Laden sieht uns nie wieder!!

Liebe Leser, wenn ihr mal hier in der Gegend seid, müsst ihr Euch Ronda unbedingt ansehen aber ums Hotel / Restaurant de la Molinera in El Santiscal einen großen Bogen machen.

30.06.

Gleich nach dem Frühstück wollten Bernd und Tanja eine 64 Kilometer lange Radtour machen. Bernado machte für den anderen Bernd sein Mountainbike fahrbereit (also hauptsächlich den Sattel um einiges niedriger) und Tanja sollte mein e- bike mitnehmen. Natürlich wollte sie ohne Antrieb fahren, aber zur Sicherheit erklärte ich ihr trotzdem noch schnell, wie es im Notfall funktionieren würde.

Sie starteten gegen 11 Uhr und Bernado und ich machten unsere Gymnastik und brachten dann Haus und Garten wieder in Schwung. Es war ziemlich warm und so machte ich noch eine Stunde Wassergymnastik in unserem Pool. Bernd und Tanja kamen gegen 16 Uhr 30 zurück und waren fix und fertig. Jede Menge Serpentimen und ordentliche Steigungen hatten es geschafft, dass die beiden endlich einmal total ausgepowert waren. Mein Bruder erzählte mir 3 mal, wie froh er war, noch eine Flasche Wasser zusätzlich bei einer Tanke gekauft zu haben. Auf Vorrat sozusagen. Wenn man seinen Erzählungen Glauben schenken darf, kam nirgendswo anschließend noch ein Laden oder Restaurant und sie wären mit an Sicherheit angrenzender Wahrscheinlichkeit unterwegs verdurstet. Tanja sprang sofort zu mir mit in den Pool. Die beiden Bernds mussten Einkaufen fahren, denn für morgen hatte sich Besuch angesagt und zwar mit 6 Leuten. Kaum waren sie wieder da und die Einkäufe verstaut kamen sie zu uns in den Pool. Anschließend saßen wir noch in unserer Chillecke und tranken Pflaumencocktails.

01.07.

Heute am Nachmittag kamen Sarah mit den Kindern, Anna (Sarahs Internatfreundin), ihre fast 16 jährige Tochter Gwen und ihr Freund Fabi. Zuvor sollte es für die 6 aber noch zur Abkühlung an unseren See gehen. Natürlich rief Sarah mich beim dortigen Eintreffen sofort an und gab gleich das Telefon an Emilio, einen der Zwillinge ab. Dieser sagte ständig:“ Ines komm!“ So fuhr Bernado (Bernd heißt solange mein Bruder da ist Bernado, sonst kommen wir durcheinander) mich eben schnell mit dem Leihauto von meinem Bruder zum See. Wie gut, dass wir schon alles für den Besuch vorbereitet hatten. Bernd, mein Bruder hatte schon gestern den Pizzateig vorbereitet, denn es sollte zusätzlich zum Salat und Fleisch Pizzabrötchen geben. Ich passte gut auf, damit ich es in Zukunft auch mal hinbekommen würde. Der Tisch war schon gedeckt, die Getränke kalt gestellt und aufgeräumt war auch alles. Am See schnappte ich mir die Kids und begab mich mit ihnen ins Wasser. Sarah und die anderen chillten auf der Decke. Irgendwann brachte Sarah Schwimmärmel, die wollten die Kinder aber partout nicht. Ich erklärte ihnen, dass wenn sie sie umbinden würden und kurz versuchen zu schwimmen, dass es Bonbons geben würde. Emilio war sofort dabei. Tiago wollte aber unter keinen Umständen. Emilio ließ sich die Schwimmärmel anstandslos über die Arme schieben und ich legte ihn auf das Wasser und ließ ihn los. Er machte ein erschrockenes Gesicht und paddelte mit Armen und Beinen. Ich schrie die ganze Zeit wie verrückt:“ Super Emilio, du kannst schwimmen!!! Bravo!!!“ Die Leute um mich herum guckten schon etwas befremdlich. Nachdem Emilio die Challenge gewonnen hatte, wollte er die Schwimmärmel sofort wieder runter haben und von da an gab es nur noch ein Thema.“ Bonbon?, Bonbon? Bonbon?“ Da hatte ich ja etwas angerichtet. Ich rief Bernado an, damit er mich abholen kam und nahm Emilio gleich mit, denn er konnte überhaupt nicht verstehen, dass ich zufällig keine Bonbons bei mir hatte. Zuhause bekam er dann gleich mehrere. Mut muss eben belohnt werden!
In der Zwischenzeit waren auch Bernd und Tanja von einer weiteren , diesmal kürzeren Radtour zurück und Bernd bereitete den Salat vor. Der sah dann megalecker aus. Das fanden auch unsere Gäste, die 30 Minuten später eintrudelten. Bernado schmiss den Grill an und wir vertilgten schon mal vorweg das Pizzabrot und den Salat. Man war das lecker!!!

Wir hauten alle mächtig rein. Bernd kam immer wieder mit neu gebackener Pizza und als das Fleisch fertig war, war ich schon pappsatt. Tanja versorgte die Gäste mit Getränken. Sämtlichem Bier und auch dem Wein wurde ordentlich zugesprochen und so war die Stimmung klasse. Beim Öffnen des Kühlschrankes fiel leider eine Flasche Wein raus und zerplatzte auf dem Boden. Das war dann erst einmal eine ordentliche Sauerei. Natürlich war es mir passiert. Nach dem Essen tobten Bernado und dann mein Bruder und ich mit den Kindern rum. Die beiden jauchzten vor Vergnügen. Die anderen unterhielten sich derzeit ungestört von den Kiddis und fanden sich auf Anhieb richtig sympathisch. Auf Wunsch gab Bernado der kunsttalentierten Gwen auch noch schnell ein wenig Gitarrenunterricht. Es war ein megaschöner Tag und später am Abend, als die Gesellschaft schon wieder hungrig war, machte Bernd noch leckere belegte Brote. Erst gegen 21 Uhr verabschiedeten sich alle und fuhren die 75 Kilometer zurück nach El Soto. Gemeinsam räumten wir anderen alles wieder auf und ließen den Tag Revue passieren.

02.07.

Heute gab es ersteinmal nur ein Thema. Die Ferse meines Bruders. Diese schmerzte höllisch und das nicht zum ersten Mal. In der Vergangenheit hatte er öfter damit zu kämpfen gehabt und war schon von einem Arzt zum anderen gelaufen. Für uns anderen ist natürlich klar, dass es einzig und allein an der Überanstrengung liegt. Schließlich joggt er fast täglich und das nicht gerade wenig. Auch diverse Marathons hatte er schon gelaufen und natürlich auch Triathlons absolviert. Das alles fordert natürlich irgendwann seinen Tribut. Bernd will aber nichts davon hören und ist immer ganz verzweifelt, wenn der Schmerz wieder auftaucht, denn dann ist natürlich an joggen nicht zu denken. Heute war es anders. Mehrmals betonte er, dass er seinem Fuß jetzt 4 Wochen Pause gönnen wollte und bereits heute damit anfangen wollte. Tanja sollte ihn vorsichtshalber daran erinnern, falls er wieder rückfällig werden sollte. Die Erinnerung hat nichts genutzt, ich möchte wohl eine Wette machen, dass er zuhause schon längst wieder seine Runden gedreht hat 😉

Heute wollten wir nach Conil fahren, denn wir wollten den Beiden unbedingt den Atlantik und die herrlichen Strände präsentieren, an denen wir schon so oft mit dem Wohnmobil gestanden hatten. Nach dem Frühstück quetschten wir uns in das kleine Leihauto (Fiat 500 … ich glaube was anderes gibt es heute gar nicht mehr als Leihwagen ?!) und fuhren durch die herrliche Landschaft an den Strand von Conil.

Wir parkten unser Auto dort, wo wir letztes mal mit dem Womo übernachtet hatten, also etwas auswärts der Stadt. Nun ging es Richtung Strand. Ein paar Meter und wir konnten schon nach unten auf den Strand sehen. Bernado und mich traf fast der Schlag. Mein Gott, war es hier voll!!! So kannten wir es nun ja überhaupt nicht, waren wir doch sonst nur im Winter hier. Dann sah man höchstens vereinzelnd mal jemanden mit einem Hund spazieren gehen. Ganz anders heute. (Die Frage lautet heute doch: Wo ist der Hund geblieben?? Wer sieht ihn nun noch auf diesem Foto??) 🙂

Ein Gewusel sondergleichen. Überall Sonnenschirme und Liegen und Menschen über Menschen. Für uns schwer zu glauben, dass aufgrund von Corona nur 20 Prozent der Ausländer, die hier normalerweise ihren Urlaub verbringen, jetzt da sind. Also, in einem „normalen Sommer“ möchte ich nicht hier sein! Bernd und Tanja waren aber hin und weg und machten mit Bernado einen 10 Kilometer langen Strand-Spaziergang bis fast nach El Palmar.

Ich haute mich an den Strand und schlief, denn dass hatte ich letzte Nacht irgendwie verpasst. Ich hatte fürchterliche restless Legs gehabt und die ganze Nacht kein Auge zugetan. Trotzdem ich morgens wach gewesen bin, war ich noch liegengeblieben, immer in der Hoffnung vielleicht doch noch etwas zu schlafen. Deshalb hatte ich dann den Morgensport verpasst und war stinksauer, besonders auf Bernado, der mir nicht Bescheid gesagt hatte. Sorry, Schatz!!!

Als ich nach 2 Stunden erwachte, sprang ich zur Erfrischung in die Fluten und als ich hinauskam, hatte ich allerbeste Laune und nun sah ich auch die anderen zurückkommen. Wir setzten uns in eine Strandbar und bewunderten den Kellner, der erstaunlicherweise trotz der Menschenmassen, alles perfekt im Griff hatte. Eigentlich wollten wir nur etwas trinken, aber weil es so nett war, aßen wir dann dort noch. Ich bestellte mir nur eine Portion Pommes, die den anderen auch sehr gut schmeckten. Hinterher gab es dann für mich noch einen Käsekuchen. Klar, dass jeder auch davon mal probieren wollte!! Danke, liebe Familie, dass ihr so toll dafür sorgt, dass ich nicht wieder zunehme.

Jetzt ging es noch nach Roche, unserer zweiten Heimat. Wie oft hatten wir hier manchmal ganz allein mit unserem Saloon gestanden? Heute war es auch hier granatenvoll mit parkenden Autos. Natürlich durfte man mit dem Wohnmobil zu dieser Zeit nicht hier übernachten. War ja Saison. Auch hier am Strand gab es nun eine Strandbar und sogar Toiletten. Was für ein Luxus. Bernd und Tanja gefiel es so gut, dass sie gleich am nächsten Tag nocheinmal dorthin fuhren. Bernado und ich blieben dieses Mal zuhause, weil wir wieder einmal das Haus ausräumen und das Wohnmobil einräumen mussten, denn ab Montag ist es wieder vermietet. Es gab viel zu tun und so verging der Tag wie im Fluge. Gegen Abend kamen die beiden anderen dann zurück. Sie hatten abermals einen tollen Tag und wollten uns zum Essen einladen. Wir hatten aber schon Reste gegessen. So setzten wir uns auf die Terasse und tranken Wein und Bier, während wir wieder das Vornamenspiel spielten. (Tanja, jetzt kommts`.-) Mittlerweile waren wir bei G angelangt. Und eigentlich hatten wir so ziemlich alle Namen durch. Reihum mussten wir raten. Wer keinen Vornamen mehr wusste, hatte verloren. Nun war Tanja an der Reihe. Man konnte förmlich hören, wie sie sich das Gehirn zerbrach. Plötzlich rief sie:“ Ich hab einen!

Goethe!!!!

Das ist kein Vorname, lachte ich sie aus. Voller Überzeugung sagte sie:“ Doch, Goethe Faust!“ Ich bekam einen Lachkoller und sagte, neee der heißt Wolfgang Amadeus mit Vornamen. Faust hat er nur geschrieben. Bernado und Bernd lachten jetzt mit mir um die Wette und wir konnten uns gar nicht mehr einkriegen. Tanja fand das gar nicht lustig und fand mich sooo richtig doof. Darüber musste ich nur noch mehr lachen. Wir hörten lieber auf mit dem Spiel. 2 Tage später als Bernado und ich uns die Situation noch einmal ins Gedächnis riefen, meinte Bernd, er hätte lange nicht mehr so gelacht. Nicht aber etwa wegen Tanja, sondern wegen meinem Wolfgang Amadeus. Erst jetzt fiel mir auf, dass so ja Beethoven mit Vornamen hieß und nicht Goethe. Quatsch, Mozart natürlich !!! Ich glaube Tanja hat auch gar nicht bemerkt, wie schief ich lag. Ach war das lustig. Fast hätten wir in die Hosen gemacht!!

Alle schönen Tage gehen aber leider viel zu schnell zuende und so war es auch mit dem Urlaub der Beiden. Am nächsten Morgen frühstückten wir in Herrgottsfrühe ein letztes Mal zusammen und dann verabschiedeten wir uns, denn um 7 Uhr 30 fuhren sie ab zum Flughafen. Wir winkten bis wir sie nicht mehr sehen konnten. Plötzlich hörten wir draussen ein lautes Zischen. Erschrocken sahen wir uns um und nach oben, woher das Geräusch kam. Ein riesiger Heißluftballon schwebte direkt über uns. Ein tolles Bild. Wir winkten und sie winkten zurück. Auch Bernd und Tanja konnten ihn von unterwegs aus dem Auto sehen und empfanden es als tollen Abschluss.

Liebe Tanja, lieber Bernd, es war toll mit euch!!!!!!

Das ist noch ein schönes Erinnerungsfoto aus dem tollen weissen Pueblo RONDA.

Wir freuen uns schon jetzt auf ein Wiedersehen und hoffen, ihr besucht uns bald Mal wieder!!!

Brüderchen & Schwesterchen

Ganz liebe Grüße.
Jetzt fehlen nur noch meine Eltern, denen wir unser Häuschen natürlich auch gerne zeigen würden. Ihr seid herzlichst eingeladen und wir würden uns sehr freuen! Liebe Grüße

PS: leider habe ich nicht so viele Fotos, da die „Gäste“ meist selbst hier ihre Fotos im Urlaub schiessen.