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Warten auf den Einzug in unser Haus

Warten auf den Einzug ins Haus.

Bis es soweit war, gab es aber einiges zu tun und nichts war einfach!!!

So fingen die Schwierigkeiten schon damit an, einen Termin bei der Polizei, für den Erhalt einer N.I.E.- Nummer zu bekommen. So oft wir dort auch anriefen, es lief immer nur der Anrufbeantworter. Von der Ansage verstanden wir gar nichts, drückten daher wahllos irgendwelche Nummern, bekamen aber nie einen Menschen, mit dem wir reden konnten. Das hätte uns allerdings auch nichts genutzt, denn verstanden hätten wir wahrscheinlich eh nichts. Sarah bot uns ihre Hilfe an, bekam aber auch niemanden ans Telefon. Die N.I.E.- Nummer ist die spanische Steuernummer und ohne diese geht hier in Spanien gar nichts. Wir wussten schon, dass selbst ein Termin Wochen dauern würde und uns lief die Zeit davon, war doch unser Notartermin schon am 17.02.2021. Kurzerhand rief ich Juana, unsere spanische Maklerin an. Diese hatte natürlich unheimlich Interesse, dass Haus zu verkaufen, verdiente sie schließlich über 10000 Euro daran. Sie versprach uns zu helfen und tatsächlich schaffte sie es innerhalb von 2 Tagen einen Termin für uns zu bekommen. Die Arme hat sich in den 2 Tagen wahrscheinlich die Finger wund gewählt.
Am 15. Februar sollte der Termin stattfinden. Gerade mal 2 Tage vor dem Notartermin. Da durfte wirklich nichts schiefgehen, denn wenn wir aus irgendeinem Grund die Steuernummer nicht sofort bekämen, müssten wir wahrscheinlich wieder 3 Wochen warten. Oh man!. Warten war ja noch nie meine Stärke und die Wochen vergingen langsam.

Während ihr in Deutschland unter Dauerfrost und Schneemassen zu leiden hattet, hatten wir aber das allerbeste Wetter. Trotz Corona fand das alljährliche riesige Reiterfestival in El Soto statt und Sarah hatte all ihre Ferienhäuschen vermietet. Dieses Mal selbst ihr Haus, nebst Anbau, in welchem immer ihre Mutter wohnt, wenn sie mal in Spanien ist. Sarah zog unterdessen in ein Haus am Meer in Zahora. Bevor es soweit war, musste aber ihr Haus komplett renoviert werden. Natürlich halfen Bernd und ich mit, wo wir konnten. Zuerst wurde die Garage aufgeräumt und entrümpelt. Sarah tut sich immer unheimlich schwer damit irgendetwas wegzuwerfen und so wurden die meisten Sachen nur von A nach B sortiert. Sollte tatsächlich mal ein Teil zum Müll wandern, geschah es jedesmal mit den Worten : “ Es ist sooo schade und es tut mir sooo leid!“ Was ich damit sagen will, es dauerte! Ja, Sarah hat schon etwas von einem kleinen Messi. 🙂 Irgendwann war aber auch das geschafft und nun wurde das Haus ausgeräumt. Ein für Sarah lebensnotwendiger Teil kam in ihren Bulli, ( dieser platzte fast aus allen Nähten) der Rest in die Garage. Dann wurde gestrichen, gewienert und geschrubbt und geschraubt. Das alles dauerte sechs geschlagene Tage und wir waren danach ganz schön fertig.

Nach den sechs Tagen verfrachtete Sarah ihre Kindefr in den Bulli und ward erst mal nicht mehr gesehen. Natürlich telefonierten wir aber fast jeden Tag. Bernd und ich nahmen die Gäste in Empfang, zeigten ihnen alles, nahmen deren Post in Empfang und kümmerten uns um deren kleinen Sorgen. Alles waren Reiter und diese sind aus meiner Erfahrung schon ein ganz besonderes Volk. Gleich am zweiten Tag wurden 2 von ihnen das e-bike und der e-Roller auf dem Reitergelände gestohlen. Tja, war beides nicht abgeschlossen. Von den Zuschauern konnte es keiner gewesen sein, denn das Festival fand coronabedingt ohne Besucher statt. Da die Reiter und Pferdehalter allesammt ziemlich reich zu sein schienen, tippe ich auf die Mitarbeiter. Tja, Gelegenheit macht Diebe und die momentane Situation, welches die Finanzen der normalen Arbeiter betreffen, sind augenblicklich nicht so rosig. Durch Corona ist die Arbeitslosenquote hier auf 16,8 Prozent geklettert. Und das, obwohl alle Geschäfte, wenn auch zum Teil mit Sperrstunde, geöffnet haben. Spanien kann sich finanziell einfach keinen zweiten Lockdown leisten.

Sarah hatte noch zwei uralte und wirklich vergammelte Fahrräder hinter der Garage und bat Bernd diese zu reparieren. Fast den ganzen Tag verbrachte Bernd mit dieser Aufgabe. Wie gut, dass er immer Ersatzschläuche und diberses Werkzeug dabei hat. Am Abend waren Sarahs allerliebsten Fahrräder (O-Ton Sahra) wieder funktionstüchtig und wurden an die Reiter verliehen.

So vergingen die Tage und aus Tage wurden Wochen. 3 Tage vor besagtem Termin hinsichtlich der Steuernummer, teilte uns die Maklerin mit, dass es irgendeinen Zahlendreher beim Katasteramt gebe. Nichts Schlimmes, aber sie wollte, dass alles seine Richtigkeit hätte, wusste aber nicht, ob sie es bis zum Notartermin hinbekäme und hatte deshalb diesen um 5 Tage nach hinten verschoben. Ich war alles andere als begeistert, aber wollte natürlich auch, dass alles seine Ordung hatte. Und wieder hieß es warten.

Am 15.ten Februar fuhren wir dann mit unserem Wohnmobil nach Jerez. Bernd hatte die Adresse der Polizei ins Navi getickert und nun hofften wir dort auch irgendwo parken zu können. Die Adresse war schnell gefunden, aber von einer Polizeistation weit und breit nichts in Sicht. Wir parkten in einer Seitenstrasse, direkt vor einem Stoppschild. Wenn das mal gutging. Bernd machte sich auf die Socken, um in einer anderen Nebenstrasse die Polizeistation zu suchen. Rennenderweise kam er zurück. Außer Atem stieß er hervor, dass es dort keine Polizeistation geben würde. Kurzerhand fragte ich eine Frau, die uns entgegenkam, ob sie wüsste, wo wir diese finden könnten. Si si, sagte sie und zeigte in die gegengesetzte Richtung, aus der Bernd gekommen war. Auf die Frage, wie weit es denn wäre antwortete sie:“ muy cerca!“, was übersetzt heißt, sehr nah. Wir sprinteten los. Naja, sprinten kann ich ja nicht, aber ich hatte immerhin meine Nordic-walking-Stöcke dabei, mit denen ich wesentlich schneller als ohne bin. Wir liefen und liefen. Unterwegs fragten wir noch 3 Leute und immer hieß es, wir wären gleich da.
Nach 2,5 Kilometern waren wir dann tatsächlich da. Puh, ich hatte schon Schnappatmung. Vor der Wache, stand ein Beamter. Keiner durfte ohne Termin hinein. Wir aber hatten einen und durften zur Steuerstelle. Bernd hatte alle Papier, die dafür notwendig waren dabei und wir mussten an unterschiedlichen Plätzen Platz nehmen. Wahrscheinlich weil jeder von uns eine N.I.E Nummer brauchte. Zuerst mussten wir uns die Hände desinfizieren. Natürlich saß der Beamte hinter Plexiglas. Er fing an zu reden und ich kam immer näher zu Bernd, weil 4 Ohren ja mehr verstehen als 2. Trotzdem war es echt schwer. Der Beamte blätterte unsere Papiere duch und fragte dann nach einem weiteren Papier. Bis wir das allerdings kapierten, vergingen bestimmt 10 Minuten und das, obwohl er es auch auf englisch versuchte. Sein Englisch verstanden wir aber noch weitaus schlechter als sein spanisch. Irgendwann verstanden wir, dass wir keine N.I.E Nummer bekämen, weil irgendetwas fehlte. Ich war den Tränen nah und auch Bernd war total verzweifelt. Ich erklärte dem Beamten, dass wir im Begriff seien, ein Haus zu kaufen und dass der Notartermin am Montag wäre. Heute war schon Donnerstag und wir konnten uns ausrechnen, dass wenn es heute nichts werden würde, wir abermals mindestens 3 Wochen auf einen neuen Termin warten würden müssen. Der Beamte bemerkte unsere Verzweiflung und gab uns einen Zettel mit einer Internetadresse, wo wir das besagte fehlende Papier ausdrucken konnten. Es handelte sich um einen Zahlschein von 9,18 € pro N.I.E.-Nummer. Soviel kostet es nämlich eine N.I.E Nummer zu beantragen. Ohne diesen Zahlschein, den man bei einer Bank bar einzahlen muss, gibt es keine N.I.E. Fabelhaft, das hatte uns keiner gesagt. Ich fragte, den Beamten, ob wir das hier auf der Wache ausdrucken lassen konnten, aber das ging natürlich nicht. Ok, dann eben nicht. Ich erklärte ihm, dass wir im Wohnmobil leben, dieses 2,5 Kilometer weiter weg stehe und wir einen Drucker an Bord hätten und fragte ihn, ob wir bitte bitte mit besagtem Papier wiederkommen dürften und zwar heute. Seine Antwort war dann erstmal:“ Wie??? Ihr wohnt im Wohnmobil???? Hier steht, ihr wohnt in Westerstede!!! “ Ach du scheisse, sofort wurde mir mein Fehler bewusst und ich redete mich mit meinen schlechten Spanischkenntnissen raus. Ich wollte sagen: Viajemos, was übersetzt heißt: Wir reisen und nicht, wie ich gesagt hatte vivemos, was übersetzt heißt : Wir wohnen. Er schluckte es und ich atmetet auf. Bernd durfte daraufhin zum Wohnmobil zurücklaufen und den Zettel ausdrucken. Ich wartete derweil. Irgendwann sagte der Beamte, Bernd müsste 2 Zettel ausdrucken, denn jeder müßte 9,18Euro einzahlen. Oh ja, ob Bernd daran denken würde? Ich machte mich vorsichtshalber auf den Weg, um Bernd entgegen zu laufen. Der kam dann mit dem Fahrrad zurück. Jetzt hieß es erstmal wieder warten, bis wir hineingelassen wurden. Dort teilte uns der Beamte dann mit, dass es das falsche Formular war. Er hätte Bernd noch eine e-mail geschickt. Stimmt, hatte er, aber diese war erst eine Minute zuvor bei Bernd eingegangen. Also auf ein Neues.
Bernd wieder zurück zum Wohnmobil; das richtige Formular ausdrucken und zurück. Dieses mal hatte er auch den PC dabei. Nur für den Notfall. Das war aber nicht notwendig, denn jetzt endlich war alles in Ordnung. Nun mussten wir nur die beiden Zahlscheine bei einer x-beliebigen Bank einzahlen, erklärte uns der Beamte. Banken gäbe es hier jede Menge, teilte er uns freundlicherweise noch mit.

Wir liefen los. Nur 500 Meter weiter sahen wir schon eine Bank. Wir betraten sie, aber eine Dame hinter einem Schalter sagte uns, dass nur morgens bis 11 Uhr Publikumsverkehr erlaubt war. Danach nur auf Anmeldung. Alles nur wegen dem scheiß Corona. Und wir hatten ja leider keinen Termin. Alles Flehen nützte nichts, sie blieb hart. Auf zur nächsten Bank. Dort dasselbe Spiel. Bei der dritten hatten wir ebenfalls keinen Erfolg. Langsam lief uns die Zeit davon, denn die Polizeistation hatte nur bis 4 Uhr auf. Ich sagte Bernd, er solle alleine weitere Banken abklappern, denn er hatte ein Fahrrad und war so viel schneller. Inständig hoffte ich, dass er irgendwo eine finden würde, die ihn dies versammmte Geld einzahlen ließ. Und ebenso inständig hoffte ich, dass meine Unterschrift nirgendwo vonnöten wäre. Ich ging zurück zum Polizeigebäude, setzte mich davor und wartete. Und wartete und wartete. Ich wartete schon solange, dass ich mir allmählig Sorgen machte. Ich kann mr ja immer so unglaublich gut etwas einreden und mich fantastisch selbst in Panik bringen. Bestes Beispiel, wenn ich im Meer schwimme. Um so länger ich schwimme, um so blöder werden meine Gedanken und irgendwann kämpfe ich quasi um mein Leben, weil ich mir glaubhaft eingeredet habe, ein Killerhai ist direkt hinter mir. Ich schwimme wie eine besessene, schlucke Wasser, traue mich nicht, mich umzusehen und schaffe es immer irgendwie und mit letzter Kraft an den Strand. Jetzt ging es mir ähnlich. Zuerst dachte ich, ok, er findet keine andere Bank. Nächster Gedanke: Er klappert alle ab, aber bis jetzt will keine den Einzahlungschein entgegennehmen. Dann irgendwann, soviele Banken kann es hier gar nicht geben und zum Schluss bin ich mir absolut sicher, Bernd ist tödlich verunglückt, hatte einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder ähnliches. Dann verspreche ich hoch und heilig , wenn er wider erwarten doch noch lebt, werde ich immer ganz lieb und nett zu ihm sein, denn er ist ein toller Kerl. Dann verfalle ich in tiefe Trauer, so ca, 20 Minuten und dann kommt die eigentliche Panik. Wie komme ich mit dem Wohnmobil aus der Strasse raus. Wie finde ich den Weg zurück. Wie fahre ich das Ding überhaupt und das ist dann der Zeitpunkt wo ich anfange zu beten. So auch diesmal.

Nach fast 1,5 Stunden sah ich endlich Bernd. Er hatte einen hochroten Kopf, war aber am Leben. Daaaaanke, lieber Gott!!!! Ich ging ihm entgegen. Er war fix und fertig, hatte es aber bei der „achten Bank“ endlich geschafft, dass Geld einzuzahlen. Hurra!!! Man war ich froh!!! Zu allererst, dass er noch am Leben war und natürlich auch, dass er die Qittungen für die Einzahlungen hatte.
Jetzt hieß es noch einmal warten, bis wir wieder in die Polizeistation hinein durften, dann endlich bekamen wir unsere Nummern.
Übrigens, wie wir später von unserem Bankmenschen erfuhren, hätte der Beamte besagtes Formular auch in der Schublade gehabt. Und weshalb hat er es uns dann nicht gegeben, werdet ihr euch vielleicht fragen? Der Grund ist einfach und heißt Corona.Er darf uns nichts aushändigen, bei dem wir uns anstecken könnten und ist die Wahrscheinlichkeit auch noch so gering. Egal! Wir waren froh, dass wir nach sechseinhalb Stunden endlich unsere Steuernummern hatten und gingen zurück zum Wohnmobil. Klasse, kein Strafzettel!!

Das war ein Tag!!! Euch liebe Leser einen schönen Tag und morgen geht es wirklich weiter. Danke, dass ihr immer soviel Geduld habt!!

Und im nächsten Blog-Artikel gibt es auch aktuelle Fotos unseres „nicht-mobilen“ Zweitheims 🙂

Veröffentlicht von Ines & Bernd Hoormann

Bernd ist am 17.12.63 in Papenburg geboren und dort auch aufgewachsen ,Er hat 2 Kinder: Bennet und Carina.Bis zum 1 Juli 2017 Geschäftsführer in einem Lingener Ingenieurbüro und leidenschaftlicher Musiker.Er spielt Gitarre,am allerliebsten Country und singt,wie ein junger Gott .:-)Meine ganz persönliche Meinung.Und ich,Ines geb.11.02.65 in Westerstede,habe 3 Kinder:Jessica 31 Jahre,David 30 Jahre und Kim 27 Jahre und bin ein typischer Wassermann.Freiheitsliebend,läßt sich nicht gerne sagen wo´s langgeht und das absolute Gegenteil von Bernd,der daran manchmal zu verzweifeln droht.Kennengelernt haben wir uns im Mai 2006.Ich habe Bernd im Internet bei ilove(Datingline) gefunden und nach einem sehr holperigen Start, mit mindestens 3 Trennungen für immer,leben wir seit April 2007 zusammen in Lingen.Erst in einer gemieteten Doppelhaushälfte ,mit wahnsinnig netten Nachbarn,die später,obwohl unser Dackel,gleich am ersten Tag unseres Einzugs,deren Hamster umgebracht hat,später sogar unsere Trauzeugen wurden. dann in unserem Häuschen im Gauerbach.(Stadtteil von Lingen),welches wir nach 8,5Jahren verkauften um nur noch im WOMO zu leben.

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